Als
nun Don Quichote, der edelste der Menschen, begraben war, weinte um ihn
Sancho Pansa eine ehrliche Träne; dann sann er nach in seinem dicken
Schädel, wie er Nutzen ziehen könnte aus dem Erbe seines Herrn.
Zuerst
veranstaltete er eine Versteigerung, in welcher die Rüstungsstücke, die
Lanze und der Helm des Ritters zu kaufen waren. Und weil sehr viele
Leute lebten, welche zu dem Märtyrer Don Quichote als wie zu ihrem
himmlischen Wohltäter aufblickten, so hatte Sancho Pansa aus den
Gewandstücken einen guten Erlös. Das verleitete ihn freilich, eine ganze
Handlung von alten Kleidern und altem Eisen aufzukaufen und all die
Lumpen und die zerbrochenen Lanzen als echte Reliquien Don Quichotes von
Zeit zu Zeit auszuwürfeln.
Den glücklichen Gewinnern machte die Fälschung nichts. Denn sie
schrieben den armen Habseligkeiten des edlen Ritters wunderbare Kräfte
zu; das morsche Zeug aus dem Trödelgeschäft aber war um nichts weniger
wirksam als die echten Waffen.
Da
Sancho Pansa nun sah, daß man seinen guten Herrn als wie einen
Wundertäter verehrte, war er nicht dumm und gründete daraufhin eine
große Heilanstalt in derselben Gebirgswüste und an derselben Stelle, wo
der edle Don Quichote einst auf dem Kopf gestanden hatte.
Er versandte lange
Briefe an alle Kranken und Bresthaften Spaniens und versprach ihnen
schnelle Genesung, wenn sie in seine Heilanstalt kämen nach der Wüste,
fleißig beteten und Geld mitbrächten. Die Kraft der Heilung sei an den
geweihten Boden gebunden, außerdem besitze er, der Direktor der
Heilanstalt, noch die allerwirksamsten Reliquien: die vier Hufe des
Rosinante. Nur die vier Hufeisen hätte er verkauft und sich mit Gold
aufwiegen lassen. Die vier Hufe aber seien gut gegen Pest und Aussatz,
gegen Fluß und die fallende Sucht, besonders aber gegen die übrigen
Krankheiten.
Durch
solche Klugheit wurde Sancho Pansa dermaßen reich, daß er seiner
geringen Herkunft vergaß. Er sprach von seinem edlen Ritter nicht mehr
als wie von seinem Herrn, sondern mehr wie von seinem Dienstknecht. Er
fing an, sich wie ein Fürst zu kleiden und trank zur Erinnerungsfeier an
Don Quichote nur noch aus goldenen Bechern.
Da
ereignete es sich, daß ein schwarzer Handelsmann aus Afrika die
Grabstätte Don Quichotes erwarb und dort eine noch viel größere
Heilanstalt aufmachte. Und den Kranken aller Weltteile Genesung
versprach durch den Zauber der Knochen Don Quichotes. Nun wurde Sancho
Pansa wild, so dick er schon geworden war. Er gürtete sein
Schlächtermesser, und es begann eine jahrelange Rauferei um das Grab Don
Quichotes. Bei diesen Unruhen verloren sowohl Sancho Pansa als der
schwarze Handelsmann aus Afrika viel von ihrem Vermögen. Da kamen beide
eines Abends heimlich zusammen und trafen eine Verabredung. Die Rauferei
sollte weitergehen, aber zu ihrem Nutzen. Auf jeder Seite des Grabes
baute einer von ihnen ein Wirtshaus und verkaufte seinen rauflustigen
Parteigenossen schlechte Getränke.
Durch
solche Klugheit wurde Sancho Pansa immer nur noch reicher und dicker. Er
faßte den Entschluß, sich Spanien anzueignen. War er schon einmal
Statthalter einer Insul gewesen, so hoffte er auch als König gut zu
bestehen. Er warb mit seinem Golde Tausende von Knechten, welche runde
Schädel hatten wie er, Esel regieren konnten wie er, und sich wie er auf
das Braten von Gänsen verstanden. Da hatte er eine gute Wahl getroffen.
Mit ihren runden Schädeln rannten sie die Leute mit den hohen Stirnen
über den Haufen, die Esel regierten sie vortrefflich, und zum Braten gab
ihnen Sancho seine Feinde. Durch solche Klugheit wurde er am Ende
mächtiger als der König von Spanien.
Bald
nach diesen Erfolgen stellte es sich heraus, daß auch unter seinen
Gefährten einige ehrliche Leute waren, die über seinem Triumph den edlen
Don Quichote nicht vergessen hatten. Die rotteten sich zusammen und
stellten eine neue Lehre auf. Don Quichote habe keinen runden Schädel
gehabt, habe es geliebt, ein edles Roß zu regieren und habe seine Feinde
nicht gebraten. Sancho Pansa überlegte nicht lange. Er trieb die
Aufrührer aus seinem Reiche hinaus und machte seine Anschauung von den
Schädeln, den Eseln und der Braterei zum Gesetz, bei Todesstrafe.
Seitdem wurde in Spanien der Name Don Quichote kaum mehr genannt.
Sancho
Pansa geht jetzt mit dem Plane um, sich aus eigener Machtfülle zum Sohne
des edlen Ritters zu ernennen und seine eigenen Sanchokleider, seine
eigenen Sanchoknochen und die Hufe seines eigenen Esels für wundertätig
zu erklären.