ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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 Schlegel August Wilhelm von 1767 - 1845

Poetische Werke

Leipzig 1846 Weidmann’ sche Buchhandlung
I Band
 

 

 

Cervantes
Sein Leben


Castilischen Geschlechts; von feinen Sitten;
Treu der Religion und treu der Ehre;
Gelehrter, dann Soldat, hab’ ich im Heere
Don Juans bei Lepando mitgestrietten;

Den Arm verloren; Sklaverei erlitten;
Zum Fliehen schlau, frei bei des Druckes Schwere;
Erlös’ t ; bemüht dann, daß mein Ruhm sich mehre:
 So starb ich arm in der Bewundrer Mitten.

 Die Welt war mir ein Spiel; mein Alter Jugend;
Ich mahlte was ich kannt’, und kannte Vieles,
Und die Erfindung stand mir zu Gebote.

Von süßer Liebe reimt’ ich, doch voll Tugend;
Erschuf Novellen, Galatee, Perfiles,
Und den sinnreichen Ritter Don Quirote.


Poetische Werke

Leipzig 1846 Weidmann’ sche Buchhandlung
I Band herausgege.  von Eduard Böcking

 

Don Quichotte de la Mancha 


Auf seinem Pegasus, dem magern Rappen
Reit’ t in die Ritterpoesie Quirote,
Und hält anmuthiglich, in Glück und Nothe,
Gespräche mit der Prosa seines Knappen.

 Erst, wie sie blind nach Abenteuern tappen,
Trifft sie der Weltlauf mit gar harter Pfote;
Dann kommt der Scherz als huldigender Bote,
Und schüttelt schelmisch ihre Schellenkappen.

 Und Liebe webt drein rührende Geschichten;
Verstand der Menschen Sitten, Tracht, Geberden;
Es gaukelt Phantasie in farb’ gen Glorie.

Ich schwöre es, und Urgande soll richten:
Was auch hinfüro mag ersonnen werden,
Dieß bleibt die unvergleichliche Historie!

 

 

 



 Schlegel August Wilhelm von 1767 - 1845

Poetische Werke dritte, sehr vermehrte Ausgabe
zweiter Teil
herausgege.  von Eduard Böcking

Leipzig 1846

Weidmann’ sche Buchhandlung
 

 

 

 

 

 

Eulenspiegel als Turmwächter. 

Ihr kennt des Eulenspiegels Streiche,
Gar weit berühmt im röm’schen Reiche.
Fast jedes Handwerk gieng er durch,
Nahm Kriegsdienst auch in einer Burg;
Da ward er auf den Thurm gestellt,
Wo weit zu schauen war das Feld,
Daß er in die Trompete stieße,
Wenn Feindes Schaar sich blicken ließe.
Sie sprachen: „ Siehst du Fähnlein nah’n,
“ So blase nur sie flugs heran“. -
Das war so eine Redensart.
Dabei bedrohten sie ihn hart,


Wenn er entwiche von dem Posten,
So würd’ es seinen Sold ihm kosten.
Nun kam die Zeit zum Mittagessen,
Und Eulenspiegel ward vergessen,
Durch keinen guten Trunk getröst’t ,
Und auch von niemand abgelös’ t.
Da griff er zur Trompete fein,
Und blies aus Leibeskräften drein.
Die Knechte waffnen sich zu Haufen;
Viel’ kamen auf den Thurm gelaufen.
“ Wo ist der Feind? Sag’, Eulenspiegel!
“ Man sieht ja nichts um Wald und Hügel.“ –
Er sprach: „ Ich kann ich auch nicht sehn,
“ Doch solches ist mit Fleiß geschehn.
“ Ich sah, daß keine Feinde kamen:
“ Da hab’ ich denn, in Gottes Namen,
„ heranzublasen sie versucht.“ –
Sie sprachen: „ Schalksnarr, sei verflucht!
“ Du hast die Mahlzeit uns verstört,
“ Da wir den Zeterlärm gehört.“

So schrie jüngst Zeter, Zeter, Zeter,
Ein lang verschollener Trompeter.
Tragt ihm das Essen fleißig zu,
Auf daß er künftig schweigen thu.“

 

 

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Autor; /
 Schlegel August Wilhelm von 1767 - 1845
Bildnachweis; /  Daumier Honore 1808 - 1879 Don Quixote en Sanco Panca 2 H. des 19Jh.
2. Erste Ausgabe des Till Eulenspiegels 1515

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