ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Ludwig Bechstein 1801 - 1860

Frankfurt am Main
Druck und Verlag von Johann David Sauerländer
1836

 Gedichte

 

Morgengebet auf dem Inselberg

Gott, der mit dem Aug’ des Lichtes alle Länder überblickt,
Gott, der mit der Liebe Herzen alle Völker drin beglückt,
Der die Fülle hoher Gaben ausströmt mit des Segens Hand,
Ewiggleicher, gnadenreicher segne du mein Hamathland!
 Purpurwolken hangen glühend, wie ein Flammenbaldachin,
Ueber meinen Heimathbergen, und des Ostens Rosen glüh’ n.

Mir auch glüht es in der Seele, und mein Herz ist ein Altar,
Selig brennend, selig nennend dich, der ewig ist und war.
 Für die  Heimath will ich beten in den Thälern, in dem Hain,
Auf die Berge will ich treten, näher, Vater, dir zu sein!
Auf den Bergen kann die Seele trinken deines Odems Wehn,

In den Gründen dich empfinden, auf den Höhen dich verstehn!
 Abgeschieden von der Erde steh’ ich oben, lichtumglänzt,
Wie ein Seli’ ger, dessen Aufflug ird’ scher Leid nicht mehr Begrenzt,

Meines Geistes Flügel breit’ ich, von der Erde Weh befreit,
Selig über meine Heimath, Heimath meiner Seligkeit.
Bringen deine Engel Segen, laß mich einen Seraph sein!
Einen Boten deiner Liebe, laß mich Wonnen niederstreuen.
Wie der Bogen deines Friedens, wenn die Donnerwolke schwand,
Also möchte’ auch ich umfassen liebend das geliebte Land.
Wär’ ich eine Morgenwolke, schwimmend in des Aethers Blau,

Senkt’ ich auf die Flur der Heimath nieder mich als Perlenthau.
Wär’ ich Flamme deines Zornes, legt’ ich an dein Herz mein Flehn:

Hab’ Erbarmen mit den Armen! Laß mich hier vorübergehn.
Sonne küsst die Bergeshäupte bräutlich, wie zum erstenmal,
Und die alten Riesen glühen jugendlich im neuen Strahl.
Und die Waldeswipfel rauschen ihren Gruß im vollen Chor,
Blumen grüßen, und die Wiesen senden Opferduft empor.

Auf der Höhe hingesunken vor der Fülle deines Lichts,
Engelselig, wonnentrunken, fühl ich dennoch tief mein Nichts,
Und verstumme, nur die Seele fleht noch zu dir hingewandt:
Segenspender aller Länder, segne du mein Heimathland.

 

 

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Autor;/ Ludwig Bechstein 1801 - 1860
Bildnachweis ; 
 Zak Eugeniusz 1884- 1926 Rybak ( Fischer)


 

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