ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

__________

 



Gustav Falke 1853 - 1916

 Unruhig steht die Sehnsucht auf

 Eine Auswahl aus den Werken von Gustav Falke
Alfred Jansen
Hamburg und Berlin
1911


Gebet

 
                                 Herr, laß mich hungern dann und wann,
                                  satt sein macht stumpf und träge,
                                  und schick mir Feinde, Mann um Mann,
                                  Kampf hält die Kräfte rege.

                                  Gib leichten Fuß zu Spiel und Tanz,
                                 Flugkraft in goldne Ferne,
                                 und häng den Kranz, den vollen Kranz
                                  mir höher in die Sterne.
 

  Gebet

Sieh, ich habe mich tief erniedrigt,
willst du mich nicht wieder heben,
mir noch einmal wieder Flügel
nach der hellen Heimat geben?

  Wenn ich meines Kindes Scheitel
Je im Schmach versunken wüsste,
griff ich weinend seine Locken,
daß ich sie verzeihend küsste.

 Willst du nicht ein gleiches tun
und mich als dein Kind erkennen?
Willst du?
Ach, schon fühl durch meine Scham ich
deine Liebe brennen.

 

 

______________________
Autor: /Falke Gustav  1853 - 1916
Bildnachweis:  / Spitzweg Carl Aschermittwoch
 

Startseite