ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Hartleben Otto Erich   1864 - 1905

Meine Verse
Berlin 1905
S. Fischer Verlag

Das Gebet

 

Aber Gott verschaffte einen großen
Fisch, der schlang in seines Bauches Höhle
Jona ein. Und Jona war darinnen
während dreier Tag und dreier Nächte,
betete zu Gott und rief zu ihm:

  Aus der Tiefe rief ich, Herr, zu dir
Und du Grosser hörtest meine Stimme.
Deine Fluthen hatten mich umgeben,
alle Wogen, alle Wellen gingen
über mich – dass ich gedachte: immer
würd ich deinen Tempel wieder schauen,
ewig wäre nun von deinen Augen
ich verstossen. Alle deine Wasser
strömten mir ans Leben, mich umragte
schon die Tiefe, Schilf umfloss mein Haupt.
Nieder sank ich zu der Berge Gründen
und verriegelt hatte mich die Erde.
Aber du, mein Herr und Gott, du führtest
Wieder mich empor aus dem Verderben,
denn du bist barmherzig, gut und gnädig.
Da die Seele schon bei mir verzagte,
dacht ich deiner Herr, und mein Gebet drang
auf zu dir in deinen heiligen Tempel.
Jene, die vor deinem Grimm verzweifeln,
die sich knechten lassen von dem Leide -
sie, nur sie verwirken deine Gnade!

 Und der Herr sprach zu dem Fisch im Meere.
Und der Fisch spie Jona aus ans Land.

 

 

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Autor; / hartleben Otto Erich 1864 - 1905 
Bildnachweis; / Makowski Tadeusz  Dwoje dzieci z psem 1932
 

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