ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Pfau Ludwig
1821 - 1894
Gedichte

J. D. Sauerländer Verlag 1847

Beten

 Wol manch Gebet klopft an des Himmels Pforte,
Das keinen Einlaß kann am Thor bekommen,
Weil allen Erdenwust es mitgenommen,
Um zu erscheinen vor dem höchsten Horte.

  Wol ist schon oft an einem stillen Orte
In einer Seele wie ein Blitz erglommen
Ein Lichtgedanke, heil’ger als der Frommen
Gebete und der Priester heil’ge Worte.

 Das Beten ist nicht eine ird’sche Bitte,
Es holt nicht erst, es trägt in sich den Segen;
das Beten ist nicht eine fromme Sitte.

 Das Beten ist der Seele freies Regen,
Die aufstiegt aus des schwülen Lebens Mitte,
Der ew’gen Schönheit sich an’ s Herz zu legen.

 

 

Das schönste Gebet

  Wie herrlich ist’ s! wenn jubelnde Gedanken
Wie Weihrauchdüfte aus der Seele steigen,
Wie fromme Blumen, welche mit den Zweigen
Lichtdurstig in des Himmels Klarheit schwanken.

  Wie traurig ist’ s! wenn nur die Erben zanken
Auf einer Seele ruht, sonst dumpfes Schweigen;
Wenn alle Triebe sich zu Boden neigen
Und lichtscheu in dem Staub der Erde ranken.

 Ein solcher Geist gleicht einem schlimmen Garten,
Auf den Gott auch den reichen Segen gießt,
Der doch nur Dornen trägt in allen Beeten.

 Wie lang soll Gott, der treuer Gärtner, warten,
Bis aus dem Grund ein armes Blümlein sprießt?
Das wahre Denken ist das schönste Beten.

 



Glaube

 Du ächter Glaube! Nicht wo Orgeln schallen,
Wohnst du, und Tausend am Altare knieen;
Du schüchtern Kind willst dem Gedräng entfliehen,
Du liebst den Ruf nicht kirchlicher Vasallen.

 Du gehst, ein Engel, durch die goldnen Hallen
Der weiten Welt, wo tausend Sterne ziehen;
Die Brust nur, der des Zweifels Kraft verliehen,
Magst du, ein stiller Friedenshauch, durchwallen.

 Wo Priester drohn und Gift  und Galle sprühen,
Da stehst du weinend an des Tempels Pforte;
Da nahst du nicht, wo feige Knechte beben.

Wo freie Seelen für die Wahrheit glühen,
Schwebst du daher und sagst  mit festem Worte:
Wer Ew’gem lebt, der wird auch ewig leben.

 

 

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Autor,/  Pfau ludwig
1821 - 1894

Bildnachweis; /1.  Renoir August  1841 - 1919 Clown 1868
2. Wodzinski Josef
1859 - 1918)  Pierrot w świetle księżyca
3. Witkiewicz S. Ignacy 1885 - 1939 Kompozycja z tancerką
 

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