ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Rollett  Hermann 
1819 - 1904
 

Rollett’ s
Ausgewählte Gedichte
Auswahl mit dem Bildnis des Dichters
Leipzig
Franz Wagner 1865

 



 

GEBET  I

Urkraft, die du Sterne brennen,
Die du blühen lässt im Feld,
Ja, ich will dich Vater nennen
Meines Lebens, deiner Welt!

 Vater! Mit dem Sonnenblicke,
Den ich tief im Herzen trag’,
Leiter wieder mein Geschicke,
Gib mir wieder frohen Tag!

  Deinen Schutz will ich ja immer,
Und mein Herz füllt Liebe aus,
Kenn dich im Sterngeflimmer,
Kenn dich im Sturmgebraus!

 Herr! Und daß ich Lieder singend,
Jubelnd zieh’ durch deine Welt,
Daß mir oft – nach Freiheit ringend –
Manch ein lautes Wort gefällt,

Herr! Das hat dich nie verdrossen!
Und den Drang der Freiheitslust
Hast du mir ja selbst gegossen
Liebend einst in meine Brust!

GEBET II

Du ewige Vollkommenheit,
Von deiner Erde Gott genannt,
Du Geist der Lieb’ – für alle Zeit
In trunkner Schöpfungsseligkeit,
Der Menschenseele eingebrannt!
O du der Freiheit Feuermal,
Das uns vor allen Wesen ziert;
Das mit dem ersten Sonnenstrahl
Sich heiß in unsre Seele stahl,
Die ewig sich in dich verliert, -
O dulde nicht, daß deine Welt,
 Die du auf Erden dir gebaut,
In Finsterniß zusammenfällt!
Duld’ nicht, daß sie in Staub sich quält,
Und mach’, daß ihr dein Himmel blaut!
Sie ist auch ein Theil von dir –
Verlasse nicht dein Erdenkind!
Wie allerwärts, so bleib’ auch hier,
Und raube uns nicht alle Zier
In der wir deiner würdig sind!

GEBET III

Geist des Lebens, Geist der Welt,
Wach in allen Räumen,
Ja, ich weiß es, dir missfällt
Dieser Menschheit Träumen!

 Dir missfällt das Puppenspiel,
Das sie aus dir machen, -
Duld’ es nicht! Und führ’ am’ s Ziel
Dieses Dunkels Drachen! –

 Sieh’, da leuchtet’ s! Blitz auf Blitz,
Um die Nacht zu hellen; -
Himmel lässt den Menschenwitz,
Sturmgepeitscht, zerschellen!

 Bald vielleicht vom morschen Thron
Stürzt der Wahn der Erde,
daß der Geist, der Gottessohn,
Nicht gekreuzigt werde!
 

EIN GOTT

Du auf deinem ew’ gen Thron
Alter Gott der Welten,
Sollst hinfort, mit deinem Sohn,
Nur im Geiste gelten.

Und das neuernde Geschlecht
Ist darum nicht böse,
Wird der Geist, nach seinem Recht,
Schöpfer und Erlöser.

 

 

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Autor; / Rollet Hermann 1819 - 1904
Bildnachweis;/ Cheret Jules  1836 - 1932 /  Harlequin 1896
 

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