ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Stamm Karl  1890 – 1919

Dichtungen Gesamtausgabe
Erster Band
Rascher & Cie, Verlag Zürüch 1920

 

Gebet des  neuen Menschen

  
Du gibt uns eines neuen Tages Sein!
Erwürge, Gott, uralte Lebenslist,
die meinen nächsten mir zum Feinde schafft,
dass er, erniedrigt, erst mein Bruder ist.

Ich bin mein Weg. Er geht nur über mich.
Will tragen der Entsagung strengen Bann,
will meinen Nächsten lieben wie mich selbst.
Doch gib, dass ich mich selber lieben kann.

Will mich im andern lieben, mein Gesicht
in seinem Antlitz fordern, dass sein Bild
Die Züge eines stillen Glückes trage.
Sein Geist sei heiter und sein Auge mild.

So bin ich selbst geboren, darf bestehn.
Und meine Liebe ist mir heilige Pflicht.
Ich nähre mich von ihr, ich schenke wieder.
Ich trinke Licht aus singendem Verzicht.

 

 

 

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Autor; / Stamm Karl 1890 - 1919
Bildnachweis; /  Watteau Antoine 1684 - 1721 Die Serenade
 

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