ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

__________

 

 

 

 Gräffer Franz  1785 - 1852
 

Der Papagey
Für kurzweilige Zerstreuung nämlich

Jacose Genre – Stückchen.
Nr1

Schmiedl’s Witwe und Ig. Klang 1939
Wien
 

 

 

Neueste Einsiedeley

 

  

Er war glücklich, denn er hatte nie den Schnupfen. Wie ist er zu dem Glück gelangt?

Durch ein unermessliches Vermögen.

Er machte sich vollkommen unabhängig von dem, was die Menschen zerstört: von Clima und Witterung; und die Leute sagten, er sey ein Narr.

Er wußte nichts  von Clima und Witterung, er verzichtete auf alle äußere Luft, auf das Licht der Sonne und des Mondes, auf die sogenannte Sonnenwärme. Er sagte sich los von dem Anblick all dieser Dinge.
Er wollte nichts sehen und nichts hören von Clima und Witterung, von Allem, was damit im Zusammenhang steht, und die Leute sagte er sey ein Narr.
Mit seinem unermesslichen Vermögen baute er sich ein unermessliches Haus mit einer Menge verschiedenartiger Gemächer, meist großer Säle.

Das Gebäu hatte kein einziges Fenster. Alles war künstlich erleuchtet, ununterbrochen. Die Lufterneuerung geschah durch einen Art Meißner’scher Leitung.

Er hatte in diesen schirmenden Wänden Gärten, Spaziergänge, Reitbahnen, Ballhallen. In der Wandmahlerey keine Spur von Landschaftlichkeit.

Er hatte Gesellschaft, die er geladen. Alles, was Wissenschaft und Kunst biethen können, hatte er in seinen Mauern. Stets war ihm die Zeit zu kurz. 
Er hatte nie den Schnupfen. Ueber 120  Jahre lebte er in diesem Zustand, stets kerngesund; und die Leute sagten, er sey ein Narr.

Alles, was man außer dem hause findet und so heißgierig aufsucht: Theater, Concerte, Landparthien, das „ unter den Leuten seyn“, das Straßenwesen war ihm ein Ekel; das Geräusch und der Lärm des alltäglichen Lebensverkehrs ein Entsetzen.

Eine Stunde im Umkreis seiner Behausung  war keine lebendige Seele, kein Mensch und kein Thier.

In dieser selbstgewählten ewigen Gefangenschaft genoß er der schrankenlosen Freyheit, des reinsten irdischen Glücks. So auch all seine Haus – Genossen;  und die Leute sagten, er sey ein Narr.

 Aber Luft, Clima und Witterung berührten ihn nur, als er keiner Luft, keines Climas und keiner Witterung bedurfte.

Was ist mit diesem unermeßlichen  Sonderling?
Vermuthlich nur so ein Gaukelbild? ein phantastischer Scherz?
Freylich! Freylich!
Aber es läß t sich daraus entnehmen, daß es nützlich seyn könne, ein unermessliches Vermögen zu besitzen, weil man dem Schnupfen ausweichen kann.


 

 

______________________
Autor:  / 
 Gräffer Franz  1785 - 1852
Bildnachweis: / 1. Buchumschlag
2. Veronese Paolo 1528 - 1588 / Feast in the house
zurück

Startseite