ARLECCINO
Gebet an Pierrot
An Otto von GrotePierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!
Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
__________
Die Seifenblase
Ich schlenderte
jüngst einsam durch Berg, Wald
und Au; da fand ich einen Knaben vor der Hüte im Grünen sitzen.
Welch ein Schillern,
welches Glühen!
Und – o seht! Es
spiegeln Thäler
Mutter, Mutter! In
den Lüften
So sang der Knabe, hüpfte vor Freuden, und sah wonnig seiner Schöpfung nach, die, in Kreisen sich drehend, immer höher und höher schwebte, als wolle sie in den Chor der Gestirne sich reihen. Endlich wurd’ er des Spieles müde, und als der schöne, bunte Ball sich zu senken begann, zerblies der kleine Schöpfer wieder sein Werk.
Ich aber ging weiter, und sah in die farbige, blütenvolle Maygegend
hinaus, hinaus in all’ dieß Schillern und Glühen von Blau, Rosenroth und
Grün, und mir kam umgekehrt die Erde vor wie eine Seifenblase, so schön,
zauberisch schön, so wunderbar, und - so vergänglich. Der Odem des
Allmächtigen schuf und erhält sie; ein Hauch von ihm, und – sie zerstäubt
wieder. -
|
______________________
Autor: / Leitner Carl Gottfried Ritter von 1800 - 1890
Bildnachweis: / Luks George Bernard 1867 - 1933 Clown 1929
zurück