ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Leitner Carl Gottfreid Ritter von Leitner 1800 – 1890

 Gedichte von Carl Gottfried Ritter von Leitner
Wien gedruckt bey J. P. Sollinger 1825

 

 

Die Seifenblase

 

Ich schlenderte jüngst einsam durch Berg, Wald und Au; da fand ich einen Knaben vor der Hüte im Grünen sitzen.
Er blies eine zarte Blase von Seife aus einem Strohhalme; die blähte sich vor der Mündung, und spielte regenbogenfarbig und grüngolden.
Nun zog er leise den Halm hinweg, und sang, indem er die Blase aufwärts trieb:



Hebe dich, du bunte Kugel!
Hebe dich vom falbem Rohr.
Schöner Vogel! Fliege lustig
In die laue Luft empor.

 Welch ein Schillern, welches Glühen!
Blau,  und Rosenroth und Grün,
Alle Farben ziehen wechselnd
Auf dem kleinen Balle hin.

 Und – o seht! Es spiegeln Thäler
Wälder sich und Fluß und Au,
Hügel wölben sich und Berge,
Und darob des Himmels Blau.

 Mutter, Mutter! In den Lüften
Schwebt ein neues Erdenrund,
Und ich hab’ es selbst erschaffen
Mit dem Hauch aus meinem Mund.

  

So sang der Knabe, hüpfte vor Freuden, und sah wonnig seiner Schöpfung nach, die, in Kreisen sich drehend, immer höher und höher schwebte, als wolle sie in den Chor der Gestirne sich reihen. Endlich wurd’ er des Spieles müde, und als der schöne, bunte Ball sich zu senken begann, zerblies der kleine Schöpfer wieder sein Werk.

Ich aber ging weiter, und sah in die farbige, blütenvolle Maygegend hinaus, hinaus in all’ dieß Schillern und Glühen von Blau, Rosenroth und Grün, und mir kam umgekehrt die Erde vor wie eine Seifenblase, so schön, zauberisch schön, so wunderbar, und  - so vergänglich. Der Odem des Allmächtigen schuf und erhält sie; ein Hauch von ihm, und – sie zerstäubt wieder. -
Aber er zerstört nicht, wie ein tändelnder, veränderungsüchtiger Knabe; dacht’ ich, und wandelte wehmüthig heim, aber nicht trübe.  



 

 

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Autor:  / Leitner Carl Gottfried Ritter von 1800 - 1890
Bildnachweis: / Luks George Bernard 1867 - 1933 Clown 1929
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