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Dehmel Richard
1863 -1920
Hundert
ausgewählte Gedichte 1909 S.
Fischer Verlag Berlin
Nimm, vernimm,
und frag nicht viel,
tiefster Ernst wird höchstes Spiel;
sieh nur, mit dem Schmerz der Zeit
Spielt die ewige Seligkeit.
Stimme im Dunkeln
Es klagt im Dunkel irgendwo.
Ich möchte wissen, was es ist.
Der Wind klagt wohl die Nacht an.
Der Wind klagt aber nicht so nah.
Der Wind klagt immer in der Nacht.
In meinen Ohren klagt mein Blut,
Mein Blut wohl.
Mein Blut klagt aber nicht so fremd.
Mein Blut ist ruhig wie die Nacht.
Ich glaube, ein Herz klagt irgendwo.
Dehmel Richard
1863 -1920
Hundert
ausgewählte Gedichte 1909 S.
Fischer Verlag Berlin
Nimm, vernimm,
und frag nicht viel,
tiefster Ernst wird höchstes Spiel;
sieh nur, mit dem Schmerz der Zeit
Spielt die ewige Seligkeit.
Das große Karussell
Im Himmel ist ein Karussell,
das dreht sich Tag und Nacht.
Es dreht sich wie im Traum so schnell,
wir sehn es nicht, es ist zu hell
aus lauter Licht gemacht;
still, mein Wildfang, gieb Acht!
Gieb Acht, es dreht die Sterne, du,
im ganzen Himmelsraum.
Es dreht die Sterne ohne Ruh
und macht Musik, Musik dazu,
so fein, wir hören’ s kaum;
wir hören’ s nur im Traum.
Im Traum, da hören wir’ s von fern,
von fern im Himmel hell.
Drum träumt mein Wildfang gar so gern,
es geht uns nicht zu schnell,
das große Karussell.
Dehmel Richard
1863 -1920
Hundert
ausgewählte Gedichte 1909 S.
Fischer Verlag Berlin
Nimm, vernimm,
und frag nicht viel,
tiefster Ernst wird höchstes Spiel;
sieh nur, mit dem Schmerz der Zeit
Spielt die ewige Seligkeit.
Masken

Du bist es nicht, du greiser Tempelritter
im Panzerkleid, auf das die Kerzenstrahlen
des bunten Saals mit täuschendem Gezitter
geheimnisvoll Charaktere malen;
Dein Blick ist schwarz; laß das Visier nur zu!
Du bist es nicht – doch ich bin Du.
Du bist es nicht, Zigeuner mit der Geige,
der wild sein Lied lässt in die Zukunft bluten.
Dein roter Bart ist kraus wie Urwaldzweige,
um die rauschprasselnde Frühfeuer gluten.
Dein Blick ist grau; laß nur die Maske zu!
Du bist es nicht – doch Ich bin Du
Du bist es nicht, Traumkönigin. Seerosen
trägst du im wolkendunkeln Haargeflechte,
und keuschen Asphodellos, und Skabiosen,
die sanfter blühn als purpursanfte Nächte.
Dein Blick ist braun; laß deinen Schleier zu!
Du bist es nicht - doch ich bin Du
Du bist es nicht, mein blonder Puck. Dein Röckchen
ist viel zu kurz für deine Mädchenbeine;
Man sieht es doch, daß dein hell Klingelstöckchen
ein Totenköpfchen krönt, du freche Kleine.
Dein Blick ist stahlblau; laß lärvchen zu!
Du bist es nicht – doch Ich bin Du.
Und Du, bist Du’ s, du Domino im Spiegel,
In diesen Blick die Farben meerhaft schwanken,
du maskenlos Gesicht? Zeig her das Siegel,
das mir ausdrückt den Grund deiner Gedanken!
Bin ich das selbst? Ausdruck, du nickst mir zu.
Grundsiegel – Maske – Bin Ich Du?
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