ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Hagedorn Friedrich von  1708 -1754

Sämmtliche poetische Werke
Wien
Gedruckt für Franz Anton Schrämbl
bey Ignaz Alberti 1790

 

Die Maske und das Gesicht

 

Bei  Hof, an einem Carneval,
Sprach einst die Maske zum Gesichte:
Giebt Acht, wie ich hier überall
Itzt deinen Ruhm und Stolz zernichte,
Und mancher, den du sonst entfernt,
Mir folgen und mir schmeicheln lernt.

  Venedig ist mein Vaterland;
Drum schütz’ ich Freyheit, List und Liebe.
Wer scheinet oder ist galant,
Durch den ich keinen Streich verübe?
Man lobt, man ehrt mich tausendfach,
Und spürt und tanzt und schleicht mir nach.

  Ich lehr’ in diesem Federhut
Die Kronenscheuen Männer krönen.
Ich schaffe stillen Wünschen Muth,
Dem Muthe Glück, dem Glücke Schönen.
Es können hier, durch mich allein,
Die Ungestalten grausam seyn.

Ein wenig Prahlen steht dir frey:
War des Gesichtes Gegenrede.
Doch stimme meinem Vorzug bey,
Und schäme dich der kühnen Fehde,
Weil dies nur deine Schönheit ist,
Dass du mir oft so  ähnlich bist.

  Das Herz wird nur durch mich erkannt,
Durch mich, den Spiegel vom Gemüthe.
Mein hoher Ernst beweist Verstand,
Mein Lächeln zeug von Treu’ und Güte.
Die Maske sprach: Mein stolz Gesicht!
Vielleicht wohl sonst, bey Hofe nicht.


 

 

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Autor; / Hagedorn Friedrich von  1708 -1754

Bildnachweis; / Makowski Tadeusz 
1.Troje dzieci w przebraniu

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