ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Hartleben Otto Erich  1864 - 1905

Meine Verse
Berlin 1905
S. Fischer Verlag

 Im Lande der Thorheit

 Im Lande der Thorheit küsst ich die Hände der schönen Frauen      ,
sie waren schmeichelnd und weiss, mit blitzenden Ringen geschmückt.
Ich lachte wohl auch beim lieblich klingenden, lockenden Wort
und eitel genoss ich des eigenen spielenden Übermuths.

  Doch immer wieder irrte mein Blick ins Leere ab:
Ich sah und fühlte die Hände meiner lieben Frau,
die weich und still in ruhender Güte sich nach mir
Hersehnen aus der ferne – deine Hände;
Die allein die Wirrnis dumpfen Wollens je gebannt -
und ich gedachte jener Stunde, da mir einst
Im Tode diese Hände stummen Trost verleihn.




 


 

Hartleben Otto Erich 1864 - 1905

Meine Verse
Berlin 1905
S. Fischer Verlag

 Scherzo
 

Mich selber hab ich nun bezwungen
und bin ein halber Engel schon,
die Palme hab ich mir errungen,
geniesse meiner Reinheit Lohn!

  O Sünde an der heiligen Jugend,
der toten Sitte schnöder Sieg,
o schmählicher Triumph der Tugend
im feigen, würdelosem Krieg!

 Was frommt es, selber sich zu zwingen,
da schon die Welt genug uns zwingt,
was frommt es, Opfer ihr zu bringen,
die selber uns zum Opfer bringt!

 

Hartleben Otto Erich 1864 - 1905

Meine Verse
Berlin 1905
S. Fischer Verlag

 Rosenmontag

Am Rosenmontag liegen zwei,
die kalten Hände noch verschlungen –
Das Leben strömte rau vorbei,
die beiden haben’ s nicht bezwungen.

  

Als überwunden grüssen sie
den Sieger, dem das Glück begegnet –
Im Tod verbunden, segnen sie
All jene, die das Leben segnet.

Hartleben Otto Erich
1864 - 1905

Meine Verse
Berlin 1905
S. Fischer Verlag

Fasching

 Wie eine reife, süsse Dolde
hing deine Güte über mir;
im Rausche griff ich nach dem Golde
Und streife schon an seine Zier.

 Nun hat ein graugewobner Schleier
mit deinen Liebreiz jäh vermummt;
und unserer Seelen bunte Feier
ist ohne Klagelaut verstummt.

 

 





 

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Autor; / 
Hartleben Otto Erich 1864 - 1905
Bildnachweis; Slevogt Max 1868 - 1932
1. Narr mit zerstörter Skulptur
2. Zauberflöte /Tamino und Pamina
 

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