ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Langbein August Friedrich Ernst  1757 - 1835

Neuere Gedichte
Thübingenin der J. G. Cottaschen Buchhandlung 1819







 

Die Masken

 Einst prunkte der Tod nicht im heutigen Glanze:
Er forderte nackend die Menschen zum Tanze.
Man sieht noch auf Bildern zum Ball ihn so gehen,
Und lustig mit Herren und Frauen sich drehn.

 Doch floh, wer nur konnte, den hagern Gesellen,
Und wollte mit ihm nicht zum Reihen sich stellen:
Drum hüllt  er sich nun in ein Maskengewand,
Und reicht uns verdachtlos die knöcherne Hand.

  Dem Schlemmer kredenzt er, als Koch mit der Schürze,
Pasteten mit Indiens feurigster Würze,
Und mischt, wo er lustige Zechbrüder trifft,
Als Weinschenk, den Balsam der Traube mit Gift.

  Er fertigt den Frauen, als griechischer Schneider,
Aus Spinnengewebe durchsichtige Kleider,
Die nur, wie ein Feigenblatt, schmal sie umwehn,
Und nicht gegen mordende Fieber bestehn.

  Er schleicht, mit dem Brautkranz im lockigen Haare,
So sanft wie ein Lämmchen zu Hymens Altare,
Ergreift aber bald den Befehlshaberstab,
Und peinigt, als Unhold, den Gatten ins  Grab.

    Er mahlt sich, als Lustdirne, blühende Wangen,
Durchschweifet die Gassen, um Buhler zu fangen,
Und findet er einen verliebten Compan,
So haucht er mit giftigem Athem ihn an.

   Er sitzet, als Gauner, am goldreichen Tische,
Und reicht, nach betrüglichem Kartengemische,
Dem ehrlichen Mitspieler, den er bestahl,
Strick oder Pistolen zur blutigen Wahl.

Er schwebet bey Nacht, auf der Fledermaus Flügeln,
Ans Pult, wo Gelehrte studieren und klügeln,
Und sammelt, wie stumme Banditen, um sie
Die grässlichen Larven der Hypochondrie.

 Er schwingt, um stolzierenden Schriftsteller – Pfauen
Herzbrennende Wunden der Kränkung zu hauen,
Die Kunstrichtergeißel mit wildem Gesicht,
Wer aber kein Pfau ist, den schmerzet sie nicht.

  Er kommt, will ein Kranker sich vor ihm bewahren,
Am Ende sogar noch als Doctor gefahren,
Taucht ernsthaft die Feder ins Tintenfaß ein,
Und schreibt ihm den Paß aus der Welt in Latein.

  Drum fruchtet kein ängstliches Trachten und Sinnen,
Der Maske, die stets uns verfolgt, zu entrinnen.
Ein Kluger steht herzhaft zu jeglicher Zeit,
Mit ihr seinen Reihen zu tanzen, bereit.

 

 

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Autor; / 
Langbein August Friedrich Ernst  1757 - 1835
Bildnachweis ;- Waliszewski Zygmund Uczta renesansowa 1933


 

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