ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Lingg Hermann  1820 - 1905 

Drittes Buch Stuttgart
Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung
1870

 Carneval

Draußen schwärmen Maskenzüge,
Schalt Musik zu Fackelschein,
Aber Liebchen, uns betrüge
Larve nicht und Schmuck allein.

Was nur je in allen Ländern
Huldigung der Liebe war,
Nicht in Bändern und Gewändern,
Hier im Herzen wird’ es wahr.

 Laß uns unter Jubelgrüßen
Eros heitern Dienst erneu’n,
Und der Schatten, wo wir küssen,
Sei uns Paphos Myrtenhain.

  Dichten will ich hohe Lieder
Wie einst König Salomon,
Knieen will ich vor dir nieder
Ritterlich und Minnelohn.

 Komm du Braut mit zagem Schritte,
Schmiege dich, mein sanftes Reh,
Sei mir Engel, Aphrodite,
Bajadere mir und Fee!

 Glaube, daß uns Sterne leuchten,
Wie sie durchs Lianengrün
Auf des Indus silberfeuchten
Pfad nicht schöner niederglühn.

   Ewig rauscht dieselbe Welle -
Sappho’s Lied, Propertius,
Und Boccaccio’s Novelle
Brennen noch in diesem Kuß.


 

 

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Autor; / Lingg Hermann  1820 - 1905 

Bildnachweis; / Holzsculptur Privatbesitz  D. Stasch - Sochiera 

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