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Pfeffel
Gottfried Konrad
1739 - 1809
Poetische
Versuche
Dritter Theil
Vierte
rechtmäßige, verbesserte und vermehrte Auflage
Tübingen
in der J. G. Cotta’ schen Buchhandlung
1803
Erstes Buch

Die
Maskerade
Vor Zeiten
als der Ruße noch
Vor seinem geistlichen Monarchen,
Wie vor dem Zaar, im Staube kroch,
Sah man den neuen Patriarchen
Auf einer sanften Eselin,
Umringt von bärtigen Prälaten
Bojaren, Popen und Soldaten,
Durch Moskaus lange Gassen ziehn.
Einst stack man zwischen Thür und Angel,
Weil in der Stadt und auf dem Land
O Wunder! Sich kein Esel fand.
Allein der Erzhirt half dem Mangel
Durch weise List auf immer ab.
Er läßt aus Nürnbergs Kunstfabricken
Sich ein paar Eselsohren schicken
So groß wie es noch keine gab;
Und wählt zum Helden des Betruges
Ein kleines Pferd. Am tag des Zuges
Ward es mit grauem Tuch bedeckt
Und ihm der Schmuck vom schlauen Küster
So künstlich auf den Kopf gesteckt,
Daß es bald selbst der Hohepriester
Für einen wahren Esel hielt.
Zwo Stunden hatte schon der Schimmel
Sein frommes Drama daß gespielt,
Als ihn ein gaul aus dem Getummel
Erkannte: „ Vetter, rastet du?
Was soll der Kopfputz? Pfui des Thoren!“
Respeckt! Rief ihm die Maske zu;
es sind des Patriarchen Ohren.
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Pfeffel
Gottfried Konrad
1739 - 1809
Poetische Versuche
Vierte rechtmäßige,
verbesserte und vermehrte Auflage
Tübingen
in der J. G. Cotta’ schen Buchhandlung 1802
Sechter Theil
Zweytes Buch

Die
Masken
Um einen Maskenball incognito zu sehen,
Schlich sich, als Harlekin, ein junge Cardinal
Mit einem lockern Abt in den gedrängten Saal.
Von ungefehr trat er, wie leicht ist es geschehen!
Auf eines Tänzers Fuß. Von wildem grimm entbrannt,
Rief dieser: warte Schuf! Ich werde dich schon finden.
Freund, sprach der Cardinal zum Abt, laß uns verschwinden!
Du hast es selbst gehört, der Mensch hat mich erkannt.
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