ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Gustav Pfizer  (1739 - 1811)

Stuttgart 1831
im Verlag von Paul Neff

Der Akrobate
 




Hat er die ird’sche Schwere ausgezogen?
Hebt ihn das grüne luft’ge Kleid empor?
So kühn blickt er zum blauen Himmelsbogen,
Als winkte dort des Paradieses Thron!

Der schmale Pfad weicht unter seinem Tritte -
Frei, wie durch Gärten, schwebt sein kecker Lauf!
Er eilt zum Ziel mit leichtem Flügelschritte
Und löst die Angst  durch holde Anmuth auf.

Schön ist’s, abringen der Natur durch Kunst,
Was ihr Gesetz der Menge nicht erlaubte!
 Nur sichrer steigt empor zu ihrer Gunst,
Wer die versagte Gabe selbst sich raube.

Die Ueberwundne zürnt dem Kämpfer nicht!
Sie schmückt ihn selbst mit ihrem freud’gen Glanze,
Und stolz auf ihren schönen Sieger, flicht
Den Strauss sie ihm aus ihrem eignen Kranze.

Dem Helden hold und eng verbündet, wischt
Sie aus dem Antlitz ihm der Mühe Spuren;
Es spielt mit der Gefahr, von Lust erfrischt,
Dem Fremdling gleichend, fast aus höhern’ Fluren.
Es dehnt sich freudig aus der Bangen Brust,
Und die Gefahr entzückt im Kleid der Schöne,
Das offene Grab – ihm ist es unbewusst,
Er schwebt, ein Geist, auf Wogen goldner Töne.

Was auch die dunkle Zukunft bringen mag -
Den Mann beglückt, den wagenden, das Heute!
Hoch schlägt das muth’ge Herz, wenn jeden Tag
Er neu gewinnt das Daseyn süsse Beute;
Das Leben, das gesichert nur uns gnügt,
Vertraut er immer neu dem kecken Spiele,
Und doch den Tod, den lechzenden, betrügt
Frohlockend er am stets erreichten Ziele.

Mit dem, was dumpfer Eifer blind verhöhnt,
Der Thor nur staunet, und der Kluge tadelt,
Wird freundlich oft ein reicher Sinn versöhnt,
Wenn mit Bedeutung es der Geist geadelt.
Gesittet wird des Menschen rohe Kraft,
Wenn es sein Treiben ehrt der Zoll der Achtung,
Und Wagemuth zur edlen Meisterschaft
Am Lichte mild besonnener Betrachtung.

Doch wie? Bedarf Entschud'gung seine Kunst?
Wer zweifelt noch, wo Schönheit selbst will zeugen?
Wenn längst entschieden hat der Frauen Gunst;
Muss jeder unfruchtbare Beifall schweigen.

Die Dichter schrei’n, dass man mit Beifall kargt,
Wenn noch so kühn halsbrechend ihre Lieder:
Hört mein Rath: so singet auf dem Markt -
Und kauft euch ein Papagei – Gefieder.
 






 

 

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Autor; / 
Gustav Pfizer  (1739 - 1811)
Bildnachweis; /  Goya Francisco 1746 - 1828 /Hampelmann


 

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