ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Rittershaus Emil  1834 – 1897

Sechste Auflage Breslau
Verlag von Eduard Trewend

1880

Zigeunerleben.

 Rings auf den kahlen Bergen saß
Das schwarze Weib, die düstre Nacht,
Da hat im Wald im feuchten Gras
Zigeunervolk geschmaust, gelacht.

Ein Feuer brannt’ in nächt’ ger Stund’
Im herbstlich öden Waldgebiet,
Da ward gebraten Katz und Hund
Bei Fiedelton und Schelmenlied.

 Dann ward getanzt. Ha, welche Gluth
Da über Stirn und Wangen floß!
Das war ein Tanz, bei dem das Blut
Im Sturm durch alle Adern schoß!

Ein Tanz zum Takt des Geigenspiels,
Des Spiels, dem schon der Ahn gelauscht,
Zu dessen Füßen noch des Nils
Von Schlamm gefärbte Fluth gerauscht.

 Ein Trunk, ein Kuß! O Lust, o Lust,
Wie hat gewogt im wilden Reihn
Der Dirnen sonnverbrannte Brust
Im grellen, rothen Flammenschein!

Wie hat gejauchzt des südens Kind!
Das war ein Jubeln, ein Getob’;
Das hat noch übertönt den Wind,
Der durch der Bäume Wipfel schnob! –

 Entfernt vom Tanz, im Laub versteckt,
Entfernt vom warmen Flammenschein,
Da lag, in’ s Haidekraut gestreckt,
Ein krankes, altes Weib allein.

Das hat gestöhnt, das hat geächzt;
Das hat gerauft sein greises Haar
Vor Pein, doch, ob die Eule krächzt,
Was kümmert das die Tänzerschaar!

  Das war ein Bild der tollsten Lust;
Das war ein Bild, an Grasen reich!
Dort Liebeskosen Brust an Brust,
Hier dürre Wangen, grabesbleich.

Dort ging’ s zur Lust und hier zum End’;
Und oben hoch am Firmament
Der sturmgepeitschte Wolkenzug!

 Die Alte seufzt’: „ In Todesstund’,
Maria, hilf in letzter Qual!“
Dann hat gepresst sie an den Mund
Das Kreuz, das sie der Kirche stahl.

Ein Schrei! Der Puls hatt’ ausgeklopft;
Das Leben zog aus Brust und Hirn,
Und von den Zweigen ist getropft
Der Regen auf die Todtenstirn’.

 Vernommen hat die Tänzerschaar
Den Schrei. Es nahte schon der Tag,
Doch, ehe es noch Morgen war,
Die Leiche unter’ m Rasen lag.

Dann zog, das Waldesthal entlang,
Das Volk hinweg im Nebelgrau. –
Novemberwind und Uhu sang
Das Todtenlied der alten Frau.

Rittershaus Emil  1834 – 1897

Sechste Auflage Breslau
Verlag von Eduard Trewend

1880

Gedenke zu leben !

 
„ Eitel sind der Erde Freuden!“ also klagst du und du weinst
Und du seufzest: „ Wär’ ich wieder doch ein Kind, ein Kind wie einst!
Kinderherz, du trägst verborgen still das Bild der Gotteskraft,
Bist ein See, noch ungetrübet von dem Sturm der Leidenschaft.

 Aus dem ungetrübten Spiegel blinkt des Himmels Bildniß   klar;
Nach dem Himmel greift vergebens hochgethürmter Wogen Schaar!“
Also sprichst du, senkst die Stirne und, der Erdenfreude satt,
Dünkt verwelkt dir jede Blüthe und das Leben Schaal und matt. –

Wenn dir die Gedanken kommen, wandle auf die grünen Au’ n.
Lern’ in jedem Blumenkelche einen Kelch der Wonne schau’ n. 
Lausch’ der Lerche in den Lüften, lausch’ dem Nachtigallenlied.
Horch, ein selig’ Lied der Freude tönend durch die Lande zieht!

 Selbst der Thau, die stille Thräne, die bei Nacht die Blume weint,
Macht, daß schöner blüht die Blume, wenn aufs Neu’ die Sonne scheint.
Thränen sind der Thau der Blüthen, sprießend in der Menschenbrust.
Tief in jedem Schmerz verborgen liegt ein Keim zukünft’ ger Luft. 

Höre wie die Lerchen jubeln! Lern’ dich ohne Sorgen freun!
Auf die Wege deines Lebens musst du selbst dir Rosen streun.
Selig, selig ist’ s zu leben! Blumen senden rings den Gruß,
Blumen, die der frohe findet, die zertritt des Grüblers Fuß.

 Ist dir auch die Kindheit ferne, halt’ die Stirne faltenrein
Und von Lerch’ und Blume lerne du die Kunst beglückt zu sein!


 



Rittershaus Emil 
1834 – 1897

Sechste Auflage Breslau
Verlag von Eduard Trewend

1880

Leiden


Wenn der Sturm die Eiche schüttet’,
Wild durch ihre Krone fuhr,
Schlägt sie in den Boden tiefer,
Fester ihre Wurzeln nur.

Ihre Blätter mag er rauben,
Treiben fort im tollen Tanz,
In dem nächsten Lenze schmückt sie
Um so dicht’ rer Blüthenkranz. -

  Wenn das Leid den Schwachen, Kranken
Dauernd auch verderben mag,
Giebt’ s  dem starken Geist den Adel,
Giebt es ihm den Ritterschlag!

Rittershaus Emil  1834 – 1897

Sechste Auflage Breslau
Verlag von Eduard Trewend

1880

Maske

 

O, glaubt es mir, daß oft den Scherz
Der Gram zur Maske braucht.
Es lacht der Mund, indesß das Herz
In tiefes Weh’ getaucht!

 Ob auch der Mund von Lächeln strahlt,
Das Herz ist gramverzehrt! –
Der Schmerz, der auf den Gassen prahlt,
Ist keines Mitleids werth!

 

 

 

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Autor; / 
Rittershaus Emil  1834 – 1897
Bildnachweis; / Makowski Tadeusz 
1. Dzieci idące na grzyby 1929
2. Dzieci z psem
 

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