ARLECCINO
Gebet an Pierrot
An Otto von GrotePierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!
Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
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Saphir Moritz Gottlieb 1795 – 1858
Welt - und Carnevals –
Narren – Büchlein München 1883 Druck und Verlag von George Welt - und Carnevals – Narren – Büchlein
Welt – Narren – Büchlein
Alte Narren. Amts -
Narren. Allerwelts – Narren.
Halb – Narren. Haupt –
Narren. Hof – Narren. Hochzeits – Narren.
Es wird sich selten ein
Narr finden, der nicht zu diesen Narren zu zählen wäre.
Indem ich voraus erkläre,
daß ich selbst der größte Narr bin, indem ich nicht nur so ein Narr bin,
mit allen Narren anzubinden, sondern so ein närrischer Narr, zu glauben,
es gäbe Närrinnen auf dieser Welt. Die größte Närrin ist noch immer
gescheidter, als der kleinste Narr!
Ankleide – Närrinnen. Affen
– Närrinnen. Das Unglück im menschlichen Leben ist nicht, daß es viele Narren und Närrinnen gibt, sondern daß jeder Narr und jede Närrin alle Andern, nur sich ausgenommen, für Narren und Närrinnen halten.
Die Narren sind auch gar
keine Narren, daß sie Narren sind! Ja sie wären Narren, wenn sie keine
Narren wären. Der Stein der Weisen hat schon viele Leute zu Narren gemacht, aber der Narrenstein( Lapis stultorum) oder die gebrannte Beifußkohle heilt uns stillt Schmerzen. Wie viel muß ein Kluger reden, bis man ihm glaubt, er sei klug, ein Narr braucht nur schweigen, und man hält ihn für klug!
Ich will lieber ein Narr
werden, als ein Kluger, da man nur durch Schaden klug werden kann! Was
gibt der Narr nicht Alles vor! Register der Narretei – Sprichwörter. „ Einem jeden Narren gefällt seine Kappe“
Wie glücklich ist ein jeder
Narr! Fragt einmal unsere Weisen, ob ihnen ihre Kappe gefällt? Wer ist
also mehr narr, der Narr oder der Kluge? Kinder gibt es in unserer Zeit gar keine mehr; unsere Kinder sind keine Narren und unsere Narren sind keine Kinder. Es bleibt also für die Wahrheit Niemand, als die Narren. Ein Kluger wird sich aber hüten, so ein Narr zu sein und die Wahrheit zu reden. Deshalb weiß man nie, ob Einer in Wahrheit ein Kluger ist, von den Narren aber weiß man sogleich, sie sind in Wahrheit Narren. Wenn keine Narren wären, so hörten wir keine Wahrheit, das ist eine wahre Narrheit und eine närrische Wahrheit. „ Ein Narr macht hundert Narren.“ Er macht hundert Narren ohne Katheder, ohne Vorlesung, ohne Anstellung, ohne Exercitum, blos durch das lebendige Beispiel, durch reine, praktische Narrheit. Wie viel Kluge werden aber angestellt als Doctoren, Proffesoren, Erzieher, Hofmeister u.s.w. , ohne da ß je einer noch einen Klugen gemacht hätte.
Ein Narr macht hundert
Narren, aber aus hundert Klugen kann kein Mensch klug werden!
Da haben sie gerad Recht! Sie sind keine solchen Narren, daß sie Recht allein haben! Da kämen sie unrecht! Es ist ein wahres Glück, daß sie Glück haben! Hätten sie mehr Recht, als Glück, as wär’ ein rechtes Unglück! Die Klugen haben immer Recht und nie Glück; da haben sie was Rechtes! Sie sind nicht recht klug, daß sie Recht haben! Glück, das ist das Rechte, aber das Recht ist kein Glück! „ Wenn die Narren kein Brot äßen, so wäre das Korn wohlfeil.“ Nun aber ist das Korn wohlfeil; ein Beweis, daß die Narren kein Brot essen; was essen sie denn? Gar nichts etwa? Ja, Kuchen, Kuchen essen sie! Wer ist also gescheidter, ein Narr, der Kuchen ißt, oder ein Kluger, der Brot ißt? Die Klugen haben Brotwissenschaften, die Narren aber besitzen Kuchenwissenschaften! „ Narren soll man nicht auf Eier setzten“ Dieses Sprichwort hängt mit dem vorigen zusammen; da die Narren Kuchen haben, so haben sie gewiß auch Küchlein; wenn sie Küchlein haben, wozu wird man sie erst auf Eier setzen? Die Klugen aber sitzen beständig wie auf Eiern, und dennoch brüten sie nichts aus, als höchstens ein „ ei, ei“!
Kaum aber hat der Kluge ein
Ei, so will es klüger sein als die Henne!
Und wie schöngewachsene Narren gibt es; es gibt Narren, die so schön gewachsen, daß ihnen hundert Kluge nicht gewachsen sind. Sie wachsen ohne Begießen, darum kommen sie eher aufs trockene.
Die Klugen aber sehen immer
aus wie begossen, und wachsen doch nicht von der Stelle. Die Klugen sind
immer schön trocken, obschon sie stets vom Regen in die Taufe kommen,
sie sind trocken, und doch geht ihnen oft das Wasser bis an den Hals!
Das sind denn doch
wenigstens hoffnungsvolle Narren; an den Klugen aber ist oft alle
Hoffnung verloren. „ Narren reden, was ihnen einfällt.“ Das sind ehrliche Narren, die reden, was ihnen einfällt; unsere Klugen und Gelehrten reden, was Andern einfällt! Den Klugen aber fällt nie etwas ein, als höchstens – ihr System. „ Weiber, Glück und Gold sind allen Narren hold.“ Welche ein Glück, ein narr zu sein1 die Weiber sind deshalb den Narren hold, weil sie wissen, daß man aus ihnen selbst nicht klug werden kann. Vielleicht sind sie ihnen auch deshalb hold, weil ihnen das Gold auch hold ist; so ein Goldnärrchen, das ist ihr Mann! Oft geht von so einem Goldnärrchen die Vergoldung ab, dann geht die Frau auch ab; das ist dann noch sein Glück, dann geht ihnen nichts ab!
Die Weiber sind den Narren
hold; was aber die Weiber betrifft, da sind die Klügsten die größten
Narren, und der größte Narr wird oft plötzlich so gescheidt, zu sehen,
da ß sie ihn zum narren haben. Es sind auch nicht Alle Narren, die in den Rath gehen, sie sind blos Alle Narren, wenn sie aus dem Rath gehen, weil in dem Rath guter Rath am theuersten ist, und jeder Rath in seinen Rath vernarrt ist. „ Er ist ein Narr, so weit er warm ist.“ Es soll heißen, er sitz warm, soweit er ein Narr ist, wo der Mensch anfängt, gescheidt zu sein, da sitzt er nicht mehr warm. „Es sind nicht alle Narren geschoren.“ O nein, aber die Gescheidten, die sind schon alle geschoren, obwohl sich kein Mensch um sie schert. Wenn alle Narren geschoren werden, das wär’ eine schöne Bescherung, da dürfte kein Mensch mehr den Hut abnehmen, ohne daß man ihm den Narren auf den Kopf zusagte. Es sind aber auch nicht Alle Narren, die geschoren sind. Die Schere der Selbstsucht schert blos die gescheidten Köpfe und lässt die Narrenköpfe ungeschoren. Man schert gewöhnlich nur jene Narren, die in Wolle sitzen, und im Gegentheil bleiben jene ungeschoren, an denen kein gutes Haar ist. „ Ein jeder Mensch muß ein Paar Narrenschuhe zerreißen.“
Davon sind selbst die nicht ausgenommen, die barfuß gehen. Mancher Mensch hat das Unglück, daß seine Narrenschuhe ein Paar unzerreißbare Patentsohlen haben, und er muß sie all sein Lebtag tragen. Mancher Mensch hat aber seine Narrenschuhe so gut beschlagen, daß er eher den Nagel auf den Kopf trifft, als die Gescheidten, die immer auf Socken und auf Eiern einhersteigen; und mancher Mensch, der, wie man sagt, einen ganzen Stiefel Weisheit besitzt, hat nicht Geschick genug, dem Narren seinen Narrenschuhriemen aufzulösen. „ Wer mit Narren zu bette geht, steht mit Narren auf.“ Das ist doch natürlich; aber oft geht man mit Klugen zu Bette und steht mit Narren auf. Wie oft kommt es über Nacht an den Tag, daß der Kluge, beim Licht betrachtet, ein Narr ist! „ Ein Narr lobt den andern.“
Das sind löbliche Narren,
das lob’ ich mir! Aber die Gescheidten, da lobt Keiner den Andern, der
Eine und der Andere lobt nur sich.
Wie selten findet ein Kluger
ein weibliches Wesen, das seine Klugin sein will; aber jeder Narr findet
sogleich seine Närrin!
Und doch wimmelt es von
Narren mit Kolben und Retorten; deshalb mangelt es uns auch an Kolben,
die Narren gehörig zu lausen.
Ganz aus der Mode gekommen,
obschon man alle Augenblicke einen Narren beim Kragen erwischen könnte.
Man sieht also, daß Kleider
Leute machen, aber Kleider machen nicht Narren, und daß es Narren ohne
Narrenkleider genug gibt.
Meine Herren! Die Vorsehung
hat uns Deutschen einen Mund gegeben, zum essen, zum Trinken und zum
Reden! Lange haben wir leider denselben nur zum Essen und zum Trinken
gebraucht und haben nicht geredet; der Deutsche hat gedacht und nicht
geredet, das muß aufhören; denken kann jeder Mensch, aber zum Redner muß
man geboren sein!
Wir wollen uns beim Essen
versammeln! Zuerst war das Wort, dann der Geist, dann das Fleisch, bei
uns soll umgekehrt sein; zuerst das Fleisch, dann das Wort, der Geist
findet sich hintendrein, und findet sich nicht gerade ein Geist, so
nimmt man ein Gespenst! Der Engel, die dem Vater Abraham erschienen, thaten wenigstens so, als ob äßen, wahrscheinlich, damit sie Abraham für Deutsche halten sollte. Die Versammlungen der Naturforscher kommen zusammen, um zu essen und zu sehen, wie viel sie ertragen können; sie bringen mehr in sich hinein, als aus sich heraus, und obwohl sie vergeben, gar keine politische Tendenz zu haben, so arbeiten sie im Stillen doch nur für die Restauration Deutschlands! Talleyrand ist nie ein größere Diplomat, als bei Tische gewesen, und er hatte durch den häufigen Teller – Wechsel gelernt, auch bei dem Regierungs – Wechsel von jeder Assiette etwas zu genießen. Gegenwärtig essen die lebenden Gelehrten die verstorbenen Gelehrten. Ueberall leben sie von dem Tod der Schriftsteller! Da wird immer gegessen! Der Todestag Goethe’s, Schiller’ s,jean Paul’ s, Gellert’s , Lessing’s, Mendelssohn’ s u. s. w., und so wie der verstorbene Zelter vom Oratorium „ Tod Jesu“ lebte, so leben die Schriftsteller von den Seelen der abgeschiedenen Dichter. Ein gewisser Traiteur soll alle todten Schriftsteller Deutschlands für den Preis von sechzigtausend Thaler jährlich gepachtet haben, mit dem ausschließlichen Privilegium, daß diese Todten nur bei ihm verzehrt werden dürfen.
Essen, meine Herren, ist die
Achse aller Deutschen Großthaten und Empfindungen; wir haben den
bedeutendsten Schritt schon gethan, wir essen; indem wir essen, werden
wir schon eo ipso vielen Volksrednern gleich, da wir das maul voll
nehmen, und somit wäre der heiligste, erste und letzte Zweck unserer
Versammlung erfüllt; nun wollen wir auch auf die wichtigsten Interessen
unserer Völker eingehen. „ Häring“, „Pickel .Häring“, oder „ Pickel – Wilibald – Alexis“, die Engländer mit dem Namen „ Lord Puding“, die Franzosen mit „ Jean Potage“ und die Italiener mit „ Signore Maccaroni“ beehrt. Lassen Sie uns bei diesen Gerichten hier das Wohl unserer Nationen besprechen.
Jean Potage:
Oui! Ich glaube aber, man thäte besser, diese Jungfrau nicht unter einen Hut, sondern unter der Haube zu bringen; denn sie ist schon eine alte Jungfer, eine Jungfer, die im Antlitz ( Spanien und Portugal) Leberflecken, Sommersprossen und Hitzblattern hat, an den Beinen ( Italien u.s.w.) voll von Elsteraugen und Leichdornen, ihr Oberleib( Frankreich u. s. w. ) ist ausgestopft mit falschen Idee und wattirt mit ausgeblasenen Phrasen, mit windaufgetriebenen Gigol, und der Bauch, mein liebes Deutschland, hat auch nun die Trommelsucht und wird heimgesucht von Zeitblähungen und Zeitkoliken. Wo ist der Mann, der eine solche alte Jungfer unter die Haube bringen will? -
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Autor; / Saphir Moritz Gottlieb 1795 – 1858
Bildnachweis; Matejko Jan 1838 - 1893 / Stańczyk