ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Bierbaum Otto Julius   1865 - 1910

Der neubestellte Irrgarten der Liebe

aus den Jahren 1885 – 1905
Erschienen im Insel Verlag Leipzig im Herbst
MDCCCCVI

Des Narren Regenlied

Regenöde, Regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz tut weh.
Graugespinstig hält ein Nebel
Alles Sein in Haft,
Weher Mut weint in die Weiten,
Krank ist jede Kraft.
Die Prinzessin sitzt im Turme;
Ihre Harfe klingt,
Und ich hör, wie ihre Seele
Müde Sehnsucht singt.
Regenöde, Regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz tut weh.

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Bierbaum  Otto Julius  1865 - 1910

Der neubestellte Irrgarten der Liebe
aus den Jahren 1885 – 1905
Erschienen im Insel Verlag Leipzig im Herbst
MDCCCCVI

 

Der melancholische Narr

Aus einer jungen Linde hab
Geschnitzt ich meinen Narrenstab;
Mein eigener Schädel wackelt drauf

Zwischen Schellen und Bändern als bunter Knauf.
Lacht er?
Küß mich, küß mich, Klingelstock mein,
Sei  mein Lieb, und ich bin dein.
Ach, ich armer Narre!
Pst, pst, der Junker Lenz ist drauß,
Die ganze Welt sieht blühsam aus.
Du, Schellenschädel, rühr dich sag:
Lacht er uns auch der Frühlingstag?
Er schüttelt.
Küß mich, küß mich, Klingelstock mein,
Sei mein Lieb, und ich bin dein.
Ach, ich armer Narr!
Weg! Alle Fenster dichte zu!
Wir zwei alleine, ich und du
Wir wissen doch das Glück gewiß;
Du glöckle in der Finsternis
Und grinse!
Küß mich, küß mich, Klingelstock mein,
Sei mein Lieb, und ich bin dein.
Ach ich armer Narr!

Otto Julius Bierbaum  1865 - 1910

Der neubestellte Irrgarten der Liebe

aus den Jahren 1885 – 1905
Erschienen im Insel Verlag Leipzig im Herbst
MDCCCCVI

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Des Narren Herbstlied

 Bunt wie mein Mantel und Kleid
Wird nun die Welt, o weh,
Lacht mir das Herz im Leib,
Wie ich das seh.
Einst war ich jung und frisch,
Eija, da war ich grün,
Grün wie die Weide, daran
Maikätzchen blühn.
Dann kam die Zeit, die schnitt
Falten ums Maul mir schief.
Grinsen lernte ich da
Und weinte tief.
 Trug bald ein bunt Gewand,
Schuppen und Schellen daran,
Wehe, es klirrt, wenn ich spring,
Ich alter Mann.
Holla, ein bunter Narr!
Holla, ein Klimperkleid!
Holla, die Welt wird bunt,
Und ich gescheit.
Laßt mich nun schlafen gehen,
Legt mich ins Grab hinein!
Über ein kleines, ach,
Wird Frühling sein.

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Otto Julius Bierbaum  1865 - 1910

Der neubestellte  Irrgarten der Liebe
aus den Jahren 1885 – 1905
Erschienen im Insel Verlag Leipzig im Herbst
MDCCCCVI


Des Narren Nachtlied
 

In der Nacht, in der Nacht, heidideldumdei!
Sing, sing, süße Geige und lache, Schalmei!
In der Nacht gibt’s Wunderwerk mancherlei.
Wollt ihr eins hören?
O Sterne, o Stille o mondliche Pracht!
Wer hat in den tieftiefen Wald mich gebracht?
An den schwarzen See in der schaurigen Nacht?

Kalt wehen die Winde.
 Krank bin ich und müde, und hier steh ich
nackt.
Zwei Arme haben mich rauh gepackt;
Es hämmern die die Spechte in grässlichem Takt.
Da lieg ich am Boden.
Zwei Männer in Larven sind über mich her.
Sie graben mich ein. Die Erde ist schwer.
Des Windes Wehen hör ich nicht mehr.
All – alles ist stille.

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Autor: / 
Bierbaum  Otto Julius  1865 - 1910
Bildnachweis:/ Zak EUGENIUSZ 1884 - 1926
1. Kobieta z pajacem
2.Dringing 1925 
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