ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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   Conrad Michael  Georg 1846 -1927

 Roman
Zweite Ausgabe
Berlin S. W. 12
Hugo Steinitz Verlag
1896



Die Beichte des Narren

Kap. XIX

 

Drei Tage und drei Nächte verrammelt und verriegelt, in meiner Höhle, bei Frau Theres, in meiner Geisterburg im Lehel.
Bevor sie mich fangen und einsperren.
Wie sie den Doktor Stich gefangen haben. Auf dem Friedhof.
Der schreckliche Friedberg. Der hat ihn in’ s Netz gelockt. Mit dem ruchlosen Weibe. Dem Weibe des Friedberg’ schen Freundes.
Zwischen Gräbern lagen sie. Stich und das Weib.
Freidberg hatte die Wächter bestochen.

Im Seziersaale des Leichenhauses sollten sie’ s vorher getrieben haben. Stich und das Weib. Da entkamen sie noch. Dann zwischen den Gräbern, in wahnsinnigen Brunst. Da entkamen sie nicht mehr. Die Wächter überrumpelten sie.
Mit Friedbergs List.

Und ich hätte mit der Brieftasche Friedberg auf die Spur geleitet.
Das will Friedberg dem Stich eröffnen haben, um seine Verwirrung zu mehren.
Mein Kopf hält nicht mehr.

 

•••

 

Aus Rache habe Stich dann Friedberg eröffnet, ich hätte Aehnliches verübt. Mit den Mädchen, vor Jahren. Mit Nanni und Mali. Jetzt würde ich Alles aufdecken.
 Die Mädchen als Zeugen zitieren. Denn er wisse ihren Aufenthalt. Im Arbeitshaus zu Lausen, seit zwei Jahren, Abteilung für rückfällige Prostituierte. Unausdenkbar schrecklich, grauenhaft. Dieser unerhörten Intrigue der Rachsucht ist der Kopf des Edelmanns nicht gewachsen.

Ich schwimme hinüber. Friedberg jubelt.
Ich höre sein Hurrah – Geheul bis da hinein.
Frau Theres lacht und klatscht in die Hände.
Wohin bin ich geraten?
Bevor sie mich fangen und einsperren ….

•••

 

Friedberg schrei durch’ s Schlüsselloch: „ Stich hat sich im Gefängnis  umgebracht.“  Tod und Verderben allen Schurken. Nun ist die Reihe an ihm selbst.

 

 

•••

Depesche aus Töpliwodu.
Mein Bruder ist tot.
Fassung! Fassung! Nur jetzt den Verstand nicht verlieren.
Nur noch vierundzwanzig Stunden aushalten.
Ich bin der Herr.
ICH bin der  HERR.
Lass’ dich nichts nicht dauern.
Ich bin die Erde.
Ich bin der Sieger.

•••

 

Der Wahnsinn frisst Erde und Sieg.
Schwapp –
Mein armes reiches Kind, im Steinbruch.
Grün und Weiß.
Schwapp –
Ich schwimme hinüber.
Zu den singenden Toten. Der lebendigtoten.
Alles fließt.

•••

 

Ich kehre wieder –
Mein Kind! Wo bist du? Wo bin ich
†††
Das Dach bricht ein.
Der Boden sinkt.
Der Welt Ende rauscht herauf.
Es rauscht – rauscht – rauscht –

Ende

 

 

 

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Autor:  / 
   Conrad Michael  Georg 1846 -1927
Bildnachweis: /  Watteau Jean Antoine 1684 - 1721 Der Gleichgültige 1717
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