Fircks Freihhern Carl von
1828 - 1871
Leipzig Julius Klinkhardt
1864
Der kleine Seiltänzer
„ Du sollst mir
nicht dreinsehn so traurig und blaß
Du verwünschter Bube! Und höre,
Wenn du noch einmal vom Seile fällst,
So setzt es Hiebe zur Lehre!
Du treibst mir die
Leute vom Platze weg
Mit deinem Jammergesichte,
Und die kreischenden Weiber sehn mich an,
Als säßen sie mir zu Gerichte“
„ Ach meister, ach
Meister ich bin so bang’
Allein in der schwindelnden Höhe,
Mir schlägt das Herz so sehr und mir thun
Die Füße vom Springen so wehe.
Und
wenn dann von unten herauf zu mir
Die zürnenden Worte bringen:
Pfui über das feile
Mutterherz,
Sein Kind dem Tod zu verdingen;
Dann werden die Augen mir dunkel und trüb’
Und ich muß an mein Mütterlein denken,
Das sich um sein entlaufnes Kind
Daheim thut härmen und kränken,
Und ich habe nicht Acht, ob das Seil mir fehlt,
Und möchte mich fallen lassen;
Mir ist, als müsste sie unten stehn
In die Arme mich aufzufassen.“
Fircks Freiherr Karl von
1828 - 1871
Leipzig Franz
Wagner 1871
Poetischer Nachlaß
Die närrischen Leute
Was mühen
sich doch die Leute nur
Nach mir so schielend zu blicken,
So leis’ zu flüstern und schlau zu thun
Und mit den Köpfen zu nicken?
Die närrischen Leute! Als hätt’ ich’ s nicht
Entdeckt im Spiegel schon lange,
Was sie mit emsigem Heimlichthun
Mir zu verbergen so bange.
Ja, ja, fein lustig lockt sich mein Haar,
Mein Auge glänzt wie ein Lichtlein,
Und Arme hab’ ich schneeweiß und rund
Und Händ’ und Füße wie Wichtlein.
Bin hübsch, bin hübsch, und weiß auch genau,
Daß Aller Blicke mir gelten,
Bin hübsch und hab’ meine Freud’ an mir
und Niemand soll mich d’rum schelten.
Kann in die
blühenden Blumen doch
Getrosten Muthes mich stellen,
Ich hab’ kein schlechteres Kleidchen an,
Als all’ die bunten Gesellen.
Und kommt man
Stündlein und pocht das Glück,
Mich zum Gespielen zu wählen,
Herein nur immer! Ich brauch’ mir nicht
Die Haare lang erst zu strählen!
II
Ich bin ein Sänger
Ich
bin ein Sänger! Was die Welt
Auch bürden auf mich mög’
In Versen schüttl’ ich’s ab von mir
Und gehe meinen Weg.
Und was mich Schlimmes immer treff’,
Mir macht’ s nicht krank das Blut,
Denn was das Glück mir schuldig bleibt,
Ich hab’s im Liebe gut!