ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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 Freyer Göl.

Hamburg
1883 Agentur des Rauen Hauses

 Allerlei aus dem leben für das Leben.
 

Der Abend

 

Im Westen steht die Sonne.
Sie will Abschied von uns nehmen und in andere Länder ziehen.
Sie hat dort auch Leute, die sie erfreuen will, wie uns. Lang werden die Schatten, kühler wird die Luft.
Stille wird es draußen.
Ueber Wald und Feld
Säuselt Friede nieder
Und es ruht die Welt.
Es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.
Die Feierstunde schlägt, die Abendglocke läutet.
Sie erlösen von der Arbeit und enden des Tages Last und Mühe.
Feierabend!
Sprich das Wort langsam vor Dich hin, wie ruhig und lieblich es klingt, wie ein Abendläuten!
Still und heiter wird der Fleißige, wenn er die Bücher zuschlägt, das Handwerkzeug weglegt, die Werkstatt zuschließt, die Sense auf die Schulter nimmt, und heimkehrt.
Ein Tag geht zur Küste.  
Viele Stunden des Lebens sind wieder dahin, bestimmt „zum Wirken, weil es Tag ist“
Es ist recht heilsam, wenn man am Abend mit sich selbst rechnet: was habe ich heute geschafft? Wie den Tag genützt?
Kann man dann sagen: „Am Vormittage habe ich dies und Nachmittags jenes zu Stande gebracht, und auch noch etwas neues angefangen,“ dann ist einem am Abend, als hätte  man nach langem, beschwerlichem Marsche am heißen Sommertage die Stadt erreicht, in die man wollte, wäre zum Thor hineingekommen, säße nun in der Herberge unter einem schattigen Baume, hätte den Stock neben sich gestellt, ließe die müden Glieder ruhen und es sich wohl sein. Da heißt es dann: Willkommen, o heiliger Abend!
Der Tag war heiß und beschwerlich, aber nicht umsonst.

 Wer aber den lieben langen Tag „umgebracht“, sich bald da, bald dort herumgedrückt, bald dies, bald jenes angefangen und wieder weggelegt hat, wer unter dem Schein der Geschäftigkeit, unter Gähnen und Langeweile die festgesetzten Stunden in Schul - oder   Schreibstunde abgesessen hat, der weiß freilich nicht, wie schön der Abend in Wirklichkeit ist, so eilig er sich auch beim ersten Schlag der Feierabendstunde aus dem Staube macht.

 Vor ihm stehen die Stunden des Tages auf, verklagen ihn: „ Mich hast du todtgeschlagen, mich auch und mich auch! “ und verdammen ihn: „ Du sollst nun auch keine Ruhe, keinen Frieden haben, es soll Dir „ nicht wohl werden am Abend.“ Manche von den Trägen und müßigen fühlen das, aber verstehen es nicht, halten sich für krank, denken, es „ liege ihnen im Körper.“ Die es aber nicht mehr fühlen, sind schon „versumpft.“

 Wer viel solche Tage ohne Frucht, solche Abende ohne Frieden verbracht hat, wie soll dem am Abend des Lebenstage zu Muthe sein, wo das Haar grau, der Athem kurz, die Hand matt, der Schritt langsam, der Sinn schwach wird?

 Schaut er zurück auf die vielen Jahre, da ist wenig Erquickendes zu sehen. Die Zeit ward versäumt, die Kraft vergeudet, die Pflicht vernachlässigt. 
Vorwärts blicken macht auch keine Freude. Nachholen? Ist unmöglich.

Vor der Thür ist die lange Nacht, da niemand wirken kann. Kein Wunder wenn der Alte unzufrieden, mürrisch und ärgerlich ist, sich unter den Seinen seine letzten Tage schwer macht. Aber schau den Greis, die Greisin an, die sich wirklich zur Ruhe gesetzt haben.   Unermüdlich treu wirken sie ihren Lebenstag hindurch mit Dem, an dessen Segen Alles gelegen.

Man erkennt den Abendfrieden auf ihren Gesichtern, hört ihn aus ihren reden, spürt ihn in ihrem ganzen Wesen.
Alles um sie her zeugt von ihrer Treue. Sie wissen wohl, sie haben nicht Alles gekonnt, was sie wollten, nicht Alles ausgerichtet, was sie sollten.
„ Ja wenn ich noch einmal jung wäre, ich würde Manches anders anfangen und besser machen“
Doch sie kennen den, der Alles weiß.
Er weiß auch ihr Wollen, wenn das Vollbringen fehlte und hoffen, dass Er seine treuen Arbeitern nicht nach ihrer Stückarbeit und ihrem Stückwerke, sondern nach seiner väterlichen Güte lohnen wird.
Sie haben ihr Haus bestellt, aber auch ihr Herz.

 So mag denn die Feierstunde des Lebens schlagen. Mag es letzten Feierabend läuten, wenn der Meister droben will. Sie gehen in Frieden heim, ruhen aus von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach. Solchen Feierabend wünsche ich Dir und mir!

 

 

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Auto: / 
Göl. Freyer  ( Daten unbekannt)
Bildnachweis:/ Ophey Walter 1882 - 1930 /  Puppe
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