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Schefer Leopold 1784 -1862
Ausgewählte Werke
Zehnter Theil
Gedichte
Berlin
Verlag von Veit und
Comp.
1846
Der thörichte Bettler
Ein Narr ging um so Tag für Tag
Sich Gaben bettelnd in seinen Sack.
Er kniete nieder vor der Katze
Und bat um die Pfoten, nur um eine Tatze!
Die Katze spuckte: Die kann ich nicht geben,
Wie fang’ ich da Mäuse? Das kostet mein Leben.
Er kniete vor dem Strauß in den Sand
Und bat nur um ein Bein - vor der Hand.
Der Strauß ward böse: Das kann ich nicht geben,
Wie kann ich da fliehen? Das kostet mein Leben!
Er kniete hin vor den Bettelmann
Und sprach ihn um seinen Bettelsack an.
Der Bettler bat ihn: Den kann ich nicht geben,
Wie samml’ ich da Brot? Das kostet mein Leben!
Er kniete hin vor den König Saul
Und bat ihn um Freiheit und eignes Maul
Nun – eine Krone die könnt’ ich schon geben,
Die Freiheit aber – die kostet mein Leben.
Er bat drei Hexen um ihre Zungen,
Die schimpften ihn einen dummen Jungen.
So kniete und bettelt’ er Tag für Tag
Und hatte am Abend nichts im Sack.
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Was er nie gebeten, das hatt’ er
nie: Brot;
So bat er den Tod nun um den Tod.
Nein, sprach der, ich kann mich nicht selbst weggeben.
Tod schenken die Aerzte, das ist ihr Leben!
Denn überhaupt, mein verrückter Freund,
Ihr bittet bei falschen Leuten, wie’s scheint,
Und bittet um das, was sie sind, nicht haben,
Denn was Jedwedes Leben ist,
Das kriegst du nimmer zu dieser Frist.
Als sollte die Katze dir Mäuse haschen,
Als sollte die Maus dir vom Milchtopf naschen!
Doch bitte drei Weiber um ein Wort,
Da gehst du reichlich beschenket fort!
Drum bitte am liebsten um Worte, Versprechen,
Um „ Halten“ bitten, das mahnt an Gebrechen.
Ich bin zwar nur der alberne Tod,
Doch kenn’ ich die Menschen – aus ihrer Noth.
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Der Bettelmann hat das zur Lehr’
genommen,
Hat stets den Sack voll Versprechen bekommen,
So daß er hat können vom Winde leben,
Viel Andern noch reichlich davon geben;
Hat große Schätze davon erworben
Und ist noch der Windsucht gestorben.
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