ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Geibel Emanuel   1815 - 1884

 41 Auflage
Berlin
Verlag Alexander Duncker
Königliche . Buchhändler
1856

 Der Page

 

Da ich nun entsagen müssen
Allem, was mein herz erbeten,
Laß mich diese Schwelle küssen,
Die dein  schöner Fuß betreten.

Darf ich auch als Ritter nimmer
Dir beglückt zur Seite schreiten,
Laß mich doch als Pagen immer
In die nesse dich begleiten.

 Will ja treu sein und verschwiegen,
Tags dem kleinsten Winke lauschen,
Nachts auf deiner Schwelle liegen,
Mag auch Sturm und Hagel rauschen;

 Will dir stets mit sitt’ gem Grüßen
Morgens frische Rose bringen,
Will des Abends dir zu Füßen
Lieder zur Guitarre singen;

 Will den weißen Renner zäumen,
Wenn’ s dich lüftet frisch zu jagen,
Will dir in des Waldes Räumen
Dienend Speer und Falken tragen;

  Will auf deinen Liebeswegen
Selbst den Falkenträger machen,
Und am Thor mit blankem Degen,
Wenn den Freund du küssest, wachen.

Und das Alles ohne Klage,
Ohne Flehn, nicht laut noch leise,
Wenn mir nach vollbrachten Tage,
Nur ein Lächeln wird zum Preise,

  Wenn, gleich einem Segensterne,
Der mein ganzes Wesen lenket,
Nur dein Aug’ aus weiter Ferne
Einen einz’ gen Strahl mir schenket.

 

 

Geibel Emanuel   1815 - 1884

 41 Auflage
Berlin
Verlag Alexander Duncker
Königliche . Buchhändler
1856

 

 Der Knabe mit dem Wunderhorn

 

Ich bin ein lust’ ger Geselle,
Wer könnt’ auf Erden fröhlicher sein!
Mein Rösslein so helle, so helle,
Das trägt mich mit Windesschnelle
Ins blühende Leben hinein  -
Trarah!
Ins blühende Leben hinein.

 Es tönt an meinem Munde
Ein silbernes Horn von süßem Schall,
Es könnt wohl manche Stunde,
Von Fels und Wald in der Runde
Antwortet der Wiederhall –
Trarah!
Antwortet der Wiederhall.

 Und komm’ ich zu festlichen Tänzen,
Zu Scherz und Spiel im sonnigen Wald,
Wo schmachtende Augen mir glänzen
Und Blumen den ächer bekränzen,
Da schwing’ ich vom Roß mich alsbald -
Trarah!
Da schwing’ ich vom Roß mich alsbald.

 Süß lockt die Guitarre zum Neigen,
Ich küsse die Mädchen, ich trinke den Wein:
Doch will hinter blühenden Zweigen
Die purpurne Sonne sich neigen,
Da muß es geschieden sein -
Trarah!
Da muß es geschieden sein.

  Es zieht mich hinaus in die Ferne;
Ich gebe dem flüchtigen Rosse den Sporn -
Ade! Wohl bleib’ ich noch gerne,
Doch winken schon andere Sterne,
Und grüßend vertönet das Horn -
Trarah!
Und grüßend vertönet das Horn.

 

Geibel Emanuel   1815 - 1884

 41 Auflage
Berlin
Verlag Alexander Duncker
Königliche . Buchhändler
1856

 Alte Poeten

 Jetzt erst erkenn’ ich euren Werth, ihr Alten.
Seit ich auf eurem heil’gen Boden schreite.
Lebendig wandelt ihr mir nun zur Seite,
Ein hoher Chor befreundeter gestalten.

Nun lehret mich der Götter ew’ ges Walten
Der Greis von Chios in der Helden Streite,
Und mächtig trägt mich Pindars Lied ins Weite,
Dem wie im Sturm die Flügel sich entfalten.

Sanft spielt Horaz mit seinem leichten Spotte
Mir um die Brust, indeß den Blitz ergrimmet
Sich Juvenal erborgt vom Donnergotte.

 Doch wehmuthsvoll zu süßen Klagen stimmer
Tibull die Cither in umlaubter Grotte,
Wenn fern im Blau der Abendstern entglimmet.

Geibel Emanuel   1815 - 1884

 41 Auflage
Berlin
Verlag Alexander Duncker
Königliche . Buchhändler
1856

 Der arme Taugenichts

Ich kann wahrhaftig doch nichts dafür,
Daß schief mir die Nas’  im Gesichte steht,
Und daß sich’ s leichter zur Schenkenthür
Als hinter dem Pflug auf dem Felde geht,
Und daß mir besser des Müllers Kind
Als unser dicker Herr Pfarrer gefällt -
Ich aber predige in den Wind
Denn nimmermehr hört mich die arge Welt.

 Der Müller das ist euch ein grimmer Kumpan.
Er sagt, ich wäre ein Taugenichts,
Und im Dorfe die Leute glauben daran,
Und auch sein rosiges Töchterlein spricht’ s.
Und wenn sie mich sieht am Mühlbach steh,
Da rümpft sie das Näschen und zieht ihr Gesicht,
Und weiß doch so zierlich dabei sich zu drehn,
Daß vor Aerger und Liebe das Herz mir bricht.

  Nun klag’ ich mein leid den Bäumen da drauß,
Doch sie bleiben so stumm, doch sie bleiben so starr,
Und Kukuk  und Gimpel pfeifen mich aus,
Und die Käfer summen: Du Narr! Du Narr!
Und wird das nicht anders, und kommt’ s nicht bald,
So halt’ ich’ s im Dorfe nimmermehr aus;
Da zieh’ ich davon durch den großen Wald,
Und streiche die Fiedel von Haus zu Haus.

 

 

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Autor:  / Geibel Emanuel 
  1815 - 1884
Bildnachweis: / Katsushika Hokusai  1760  -  1849
1. Affe 18/19Jh/ Katsushika Hokusai  1760  -  1849
2.  
Knabe mit Flöte 1Hälfte des 19Jh
3. Katsushika Hokusai  1760  -  1849 Aus der Serie „ Hundert Erzählungen“ 18/19Jh


 


 

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