ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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 Pfeffel Gottfried Konrad  1739 - 1809
 

Poetische Versuche
Vierter   Theil

Vierte rechtmäßige, verbesserte und vermehrte Auflage
Tübingen
in der J. G. Cotta’ schen Buchhandlung
1803

Viertes  Buch

 

Dulcine  und ihr Hans

 

Dulcine

Es regnet, Hans; geh flugs hinaus:
Sieh dort ein liebes Kätzchen liegen!
Geh, fang und bring es mir ins Haus,
Es möchte sonst den Schnupfen kriegen.

Hans

Ach Gott! Dort sitzt ein Greis, zerfetzt
und krank auf unsern Kellerstufen.
Der arme Mann ist ganz durchnetzt;
Ich will ihn doch ins Haus rufen.

Dulcine

Ey, ey, was denkst du, guter Hans!
Mir ekelt vor dem nackten Armen.
Das Kätzchen hole mir; des Manns
Mag Nachbar Grobschmidt sich erbarmen.

 

 Pfeffel Gottfried Konrad  1739 - 1809
 

Poetische Versuche

Vierte rechtmäßige, verbesserte und vermehrte Auflage
Tübingen
in der J. G. Cotta’ schen Buchhandlung 1802

Sechter Theil   Erstes Buch 

 

 Harlekin

  

Ein Goldfing und ein Zeisig hieng
Einst – in Venedig wars – mit einem rothen Spechte
Vor eines Voglers Haus, der sie dem Völkerrechte
Zum Trotz, in seinem Garne fieng.
Es war zur Faschingszeit, da sich in allen Gassen
Vermummte Narren sehen lassen.
Hier zog nun auch ein Harlekin,
Der seine Pritsche schwang, die Jungen zu verjagen,
Im bunten Schmuck vorbey. Die Vögel sehen ihn.
Ey, hörte man den Zeisig sagen,
Der Kerl sieht staatlich aus; was kann man schöneres tragen,
Als solch ein grünes Wamms? Was sagst du, grün?
Fiel ihm der Rothspecht ein, wo hast du deine Brille?
Das Wamms ist roth und eben darum schön.
He! Rief der Goldfink, welche Grille!
Ihr guten Leute müsst kein Welsch verstehn,
Sonst könntet ihr doch wohl die Farben nennen.
Das Wamms ist gelb; dies muß ein jeder mir bekennen,
Der nicht vom Staar noch Neid geblendet ist.
Roth sag ich ! -  Nicht doch, gelb! – Nein, grün, bey meiner Seele!
So schrieen alle drey zugleich aus voller Kehle
Und wetzten ihr Gewehr. Was soll der dumme Zwist?
Rief itzt ein Papagey zu den ergrimmten Thoren;
Folgt meinem Rath, vergleichet euch;
Das Wamms ist roth und grün und gelb zugleich,
So wie mein eignes Kleid. Ihr gleichet den Doctoren,
Die darum nur so derb einander schmähn,
Weil sie an jedem Ding nur ihre Farbe sehn.

 

 

 

 

 

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Autor:  / 
 Pfeffel Gottfried Konrad  1739 - 1809
Bildnachweis: / Delacroix, Eugène Ferdinand Victor 1798 1863/
1. Don Quichote in seiner Bibliothek 1824
2. Degas Edgar 1834 - 1917 Arlequin dance 1890


 


 

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