ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

__________

 

 

 

 Cronegk  Johann Friedrich von  1731-1758

"Dichter Einsamkeiten“
 

Am Tage meiner Geburt


zweite verbesserte Auflage Leipzig 1763
bey Jakob Ch. Posch
Buchhändler

Herr, was ist das Leben der Menschen, und was sind seine Jahre!
Sie fließen dahin, wie ein Bach, und rieseln hinweg, wie eine Quelle, und ihrer wird nicht mehr gedacht. 
Die Hälfte meiner Laufbahn ist vielleicht vollendet – vielleicht bin ich näher beym Ziele, als es scheint.
Herr, kröne mich, wenn ich meinen Lauf vollendet habe! Sprich zu meiner Seele: Jahre hin in Frieden! Sprich zu der irdischen Hütte:  Ruhe sanft in dem Schoße, aus dem du entsprungen!
Herr !,   nimm meine Seele auf zu dir!

Zum fünf und zwanzig male geht mir die Sonne auf.
O, Herr, was war ich, ehe du mich aus der Tiefe der ewigen Nacht in das Leben hervor gerufen? Was war ich vor fünf und zwanzig flüchtig verschwundenen Jahren?

Was werde ich in fünf und zwanzig Jahren seyn? Werde ich noch den Funken von deinem Glanze, die irdische Sonne, betrachten?
Oder werden meine Gebeine versammelt bey der Asche meiner Väter ruhen? Ich werde nicht sterben – der Geist, der in mir denket, wird leben, und des Herrn Werke verkünden, wenn auch die Glieder vermoscht sind.

Ich ,Ich werde leben, aber wie? – O Vater aller erschaffenen Wesen! Erbarme dich deines Geschöpfs! Du sprachst zu mir: Werde und ich wurde.
 Meine Augen eröffneten sich dem irdischen Lichte. Noch unreif zu gedenken, erkannte meine Seele ihren Schöpfer noch nicht. Ungewohnt, zu seyn  begrüßte ich die Welt mit Thränen. Ich wurde ein Mensch, Herr, und bethete dich an.

 Leichtsinnige Jahre der Jugend! Wie schnell seyd ihr verschwunden!
Wie wenig Augenblicke flossen würdig in die Ewigkeit!
Wie viel verschwendete Stunden werden mich anklagen?
Herr, wenn du mich vor Gericht ziehen willst, so werden meine Gebeine zittern, und meine Lippen werden verstummen.

Ich habe gesündigt, o Herr! Die Seele, zu höhern Geschäften bestimmt, erniedrigte sich, und verleugnete ihren Ursprung. Gefangen von niedrigen Lüsten, vom Gepränge der Welt betäubt, von der verführenden Stimme der Wollust gelockt, verlebte ich sorglose Tage.
Du erschufst mich zum Engel, und ich erniedrigte mich zum Staube.

Herr, du kennst mein Herz; bilde es nach deinem Gefallen! Entreiß meine Seele den Irrthümern und meine Sinnen der Verblendung! Mein Geist verehrt dich, ewiges, allmächtiges Wesen! Er fühlet seine Schwachheit, verabscheut die Sünde, sündiget, zittert, empfindet Reue, sündiget wieder und bethet dich an.
K.

O Herr, entreiß mich dem Verderben! Deine Gnade sey mächtig in meiner Schwachheit! Herr, ich will dir danken, so lange ich noch hier bin, und meine Lippen sollen dich preisen, bis sie der Tod schließt.

 Du behütetest dein undankbares Geschöpf vor Unglücke; Du stärketest mich in meinen Geschäften; durch dein Geist geführt, strebete ich dennoch, meinen Nebenmenschen zu nutzen, und was ich Gutes gethan habe, (wenn ich etwas gethan habe) kommt von dir.

Du bist heilig, o Gott und ich bin ein verworfener Sünder.

Gottmensch, Versöhner, erbarme dich mein! Vergieb, ewiger Vater, die Sünden meiner Jugend! Leite mich zu deiner Wahrheit! Soll ich noch länger hier wohnen, Herr, so heilige mich! Gieb, dass ich mein Leben dir und meinem Nächsten weihe.

Laß mich nicht den Spott der Gottlosen fürchten, noch den Hohn der Hoffartigen. Entreiß meine Seele den Stricken des Verführers. Laß mich mit dem Munde bekennen, und mit dem Herzen empfinden, du seyst der Herr, und kein wahres Glück sey außer dir.

Gieb Stärke zu meinen Geschäften, erleuchte meinen Verstand, erhebe mein herz, dass es begierig werde, nicht der Welt, sondern dir, gefällig zu werden.
Gieb mir die Ruhe, Herr, die Ruhe, die Begleiterin der wahren Tugend. Kann Betrübnis und Leiden mein Herz bessern, Herr, so gieb mir auch meinen Theil an Kummer und Schmerzen.
Du wirst deinem Kinde keine Last auflegen, die es nicht ertragen kann.

Gieb mir nicht den irdischen Reichthum, der die Seele erniedriget, und den die blasse Sorge bewachet. Laß mich reich seyn an guten Handlungen.
Gieb mir nur so viel, dass mein Herz nicht von Sorge der Nahrung eingenommen, seines höhern Endzweckes vergisst. Willst du mir irdische Schätze verleihen, Herr!
So gieb mir Verstand und Willen, sie wohl anzuwenden.

Die weltliche Ehre sey nicht mein Wunsch, und der Beyfall der Welt sey nicht meine Sorge.
Aber, o Herr, laß mich nicht zu Schanden werden vor dem Volke!

Mein Gerücht sey unbefleckt, und mein Name sey nicht der Spott der Verläumder.
Wenn ich einst liege und schlafe in Frieden, so laß mein Andenken einigen stillen redlichen Herzen werth seyn.
Kein Fluch und keine Lästerung beschwere meine Grube.

Gieb mir den süßesten Trost des menschlichen Lebens wahre Freude. Segne meine Geliebten: sie sind dein, und verehren deinen Namen.
Segne meine Vaterstadt! Segne uns, Herr, so sind wir gesegnet!

 Laß meine Seele in Friede fahren zu seiner Zeit! Laß mich bey meinem Ende, getröstet durch dein Wort, gestärkt durch den Glauben, geheiliget durch deine Gnade, aus der Welt scheiden.
 Kein Bild des Schreckens erscheine vor meinen brechenden Augen: keine begangene Misserthat ängstige meine Seele; kein irdischer Wunsch halte meine Seele zurück.

 Laß mich getrost, durch das Verdienst deines ewigen Sohnes, in das Reich der Ewigkeit treten. Segne mich in meiner letzten Stunde! Mein Ende sey wie das Ende der Gerechten.

 Ewig Lob und Preis und Ehre sey dir, ewiger Vater! Versöhnender Sohn des Ewigen, Messias, dein Name sey geheiligt! Geist! Dir sey ewig Lob und Preis!

 

 

 

______________________
Autor:  / 
Cronegk  Johann Friedrich von  1731-1758
Bildnachweis: / Cesanne Paul 1839 - 1906 / Pierrot und Harlekin 1888


 


 

Startseite