ARLECCINO
Gebet an Pierrot
An Otto von GrotePierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!
Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
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Cronegk Johann Friedrich von 1731-1758
"Dichter
Einsamkeiten“ Am Tage meiner Geburt
Herr, was ist das Leben der Menschen, und was sind seine Jahre!
Zum fünf und zwanzig male geht mir die Sonne auf.
Was werde ich in fünf und zwanzig Jahren seyn? Werde ich noch den Funken
von deinem Glanze, die irdische Sonne, betrachten?
Ich ,Ich werde leben, aber wie? – O Vater aller erschaffenen Wesen!
Erbarme dich deines Geschöpfs! Du sprachst zu mir: Werde und ich wurde.
Leichtsinnige Jahre der Jugend! Wie schnell seyd ihr verschwunden!
Ich habe gesündigt, o Herr! Die Seele, zu höhern Geschäften bestimmt,
erniedrigte sich, und verleugnete ihren Ursprung. Gefangen von niedrigen
Lüsten, vom Gepränge der Welt betäubt, von der verführenden Stimme der
Wollust gelockt, verlebte ich sorglose Tage.
Herr, du kennst mein Herz; bilde es nach deinem Gefallen! Entreiß meine
Seele den Irrthümern und meine Sinnen der Verblendung! Mein Geist
verehrt dich, ewiges, allmächtiges Wesen! Er fühlet seine Schwachheit,
verabscheut die Sünde, sündiget, zittert, empfindet Reue, sündiget
wieder und bethet dich an. O Herr, entreiß mich dem Verderben! Deine Gnade sey mächtig in meiner Schwachheit! Herr, ich will dir danken, so lange ich noch hier bin, und meine Lippen sollen dich preisen, bis sie der Tod schließt. Du behütetest dein undankbares Geschöpf vor Unglücke; Du stärketest mich in meinen Geschäften; durch dein Geist geführt, strebete ich dennoch, meinen Nebenmenschen zu nutzen, und was ich Gutes gethan habe, (wenn ich etwas gethan habe) kommt von dir. Du bist heilig, o Gott und ich bin ein verworfener Sünder. Gottmensch, Versöhner, erbarme dich mein! Vergieb, ewiger Vater, die Sünden meiner Jugend! Leite mich zu deiner Wahrheit! Soll ich noch länger hier wohnen, Herr, so heilige mich! Gieb, dass ich mein Leben dir und meinem Nächsten weihe. Laß mich nicht den Spott der Gottlosen fürchten, noch den Hohn der Hoffartigen. Entreiß meine Seele den Stricken des Verführers. Laß mich mit dem Munde bekennen, und mit dem Herzen empfinden, du seyst der Herr, und kein wahres Glück sey außer dir.
Gieb Stärke zu meinen Geschäften, erleuchte meinen Verstand, erhebe mein
herz, dass es begierig werde, nicht der Welt, sondern dir, gefällig zu
werden.
Gieb mir nicht den irdischen Reichthum, der die Seele erniedriget, und
den die blasse Sorge bewachet. Laß mich reich seyn an guten Handlungen.
Die weltliche Ehre sey nicht mein Wunsch, und der Beyfall der Welt sey
nicht meine Sorge.
Mein Gerücht sey unbefleckt, und mein Name sey nicht der Spott der
Verläumder.
Gieb mir den süßesten Trost des menschlichen Lebens wahre Freude. Segne
meine Geliebten: sie sind dein, und verehren deinen Namen.
Laß meine Seele in Friede fahren zu seiner Zeit! Laß mich bey meinem
Ende, getröstet durch dein Wort, gestärkt durch den Glauben, geheiliget
durch deine Gnade, aus der Welt scheiden. Laß mich getrost, durch das Verdienst deines ewigen Sohnes, in das Reich der Ewigkeit treten. Segne mich in meiner letzten Stunde! Mein Ende sey wie das Ende der Gerechten. Ewig Lob und Preis und Ehre sey dir, ewiger Vater! Versöhnender Sohn des Ewigen, Messias, dein Name sey geheiligt! Geist! Dir sey ewig Lob und Preis!
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Autor: / Cronegk Johann Friedrich von 1731-1758
Bildnachweis: / Cesanne Paul 1839 - 1906 / Pierrot und Harlekin 1888