ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Dahn Felix  1834 – 1912

Berlin
Verlag von F. A. Herbich
1857

 

 Stern und Mensch

  

Du blickst umsonst mit stummen Fragen in Sehnsucht auf zum Sterneschein,
Du musst Dein Schicksal dennoch tragen, ein Mensch und nicht ein Stern zu sein.
Sie dürfen unerschüttert schreiten in hohem Frieden ihre Bahn!

Nicht reicht an ihre Ewigkeiten die scheue Schuld, der wilde Bahn!
Sie dürfen Alles schauend wandeln, sie leuchten nur, sie wärmen nicht,
Du mußt  mit Herz und Willen handeln, mußt wärmen auch mit Deinem Licht!

Dahn Felix  1834 – 1912

Berlin
Verlag von F. A. Herbich
1857

 

Suchen, Wahren, Verlieren

 

 Eines sollst Du stets erstreben, Eines sollst Du stets bewahren,
Eines stets verloren geben, - Freund, so wirst Du sicher fahren.
Stets erobern und erringen sollst Du tiefres Weltbegreifen,
Daß in immer weitern Ringen möge Dein Gedanke schweifen.
Immer sollst Du Dir bewahren hohen schönen Gottesfrieden,
Daß Du gleich den ewig – klaren Himmelssternen sei’ st hienieden.
Doch Dein Ich verloren geben sollst Du stets der Allgemeinheit,
Gliedern blüht gesundes Leben mit dem Ganzen nur in Einheit.
Gottesfrieden stets bewahren, Weltbegreifen stets erstreben,
Und die Selbstsucht lassen fahren – Freund so wirst Du glücklich leben.

 

Dahn Felix  1834 – 1912

Berlin
Verlag von F. A. Herbich
1857

Weltfreude

                                   

Schön ist die Welt! ruf’ ich mit frohen Sinnen,
Ich jubl’ es laut aus überzeugter Brust,
Die Welt ist schöner als der kühnste Traum:
Die Gottheit, sie erfüllet zeit und Raum, -
Es rieseln Tausend Quellen reicher Lust,
Schließ’ auf dein herz und laß sie Dich durchdringen!

 Ist es nicht Glück,  zu gehen im Licht der Sonne?
Ist’s nicht Genuß,  zu schlürfen Rebensaft?
Ist nicht die Rose lieblich anzuschau’n?
Ist nicht Musik die Stimme holder Frau’n?
Ist’s Freude nicht, zu fühlen Jugendkraft?
Ein Lied zu dichten, ist es keine Wonne?

  Ich will für mein Theil Himmel nur die Erden -
Mein Paradies ist nur von dieser Welt
Und nur mit Menschen kann ich glücklich sein;
O wären hunderttausend Jahre mein,
Ich fühle mich von solcher Kraft geschwellt,
Die sie durchlebte sonder Müdewerden. –

 

Dahn Felix  1834 – 1912

Berlin
Verlag von F. A. Herbich
1857

Das Fest

 

Durch die hohen Marmorbogen zieht die Freude festlich ein,
Schimmernd kommt es angezogen wie ein Meer von Sonnenschein;
Wiegt euch höher, stolzen Wogen, rauscht in frohen Siegesreihn,
Jubelnd will die Welt durchflogen, nicht durchseufzet will sie sein!
Laßt der Schönheit perle glänzen aus des Reichthums Muschelschale,
Schmückt das Haupt mit Blüthenkränzen, schmückt mit Rosen die Pokale,
Duft und Glanz aus tausend Lenzen schlürfet aus mit einem male,
Und die Lust lasst euch krendenzen in der Anmuth schlanken Schale.
Auf, entfalte deine Fahnen, Gott der Liebe, Siegesheld,
Der auf tausend Frühlingsbahnen im Triumph durchzieht die Welt,
Weh’ in flammenden Orkanen, bis des Zwanges Schranke fällt,
Und die trunknen Herzen ahnen, was das All zusammenhält!
Augen, die sich nie gesehen, sei’n in raschem Gruß vertraut,
Herzen, die geschieden gehen, söhnt euch aus ein Freudelaut,
Seelen, die zusammenwehen, koset einsam, umgeschaut,
Wunder dürfen hier geschehen, wo ein Gott sich Tempel baut!


Schlinget euch wie schöne Schlangen durcheinander freie Locken,
tauchet euch, ihr jungen Wangen, in das Roth von Blüthenflocken,
Auf, Musik! Voran gegangen, rühre deine Zauberglocken,
Daß die Brust in rausch gefangen fühlt vor Lust den Athem stocken.
denn hier soll die Freiheit walten, fessellos die Schönheit schreiten,
Nieder mit den bösen Falten, laßt das Kleid  der Lüge gleiten,
Laßt den Augenblick gestalten – Wunder kann nur er bereiten,
Laßt die Blume sich entfalten frei gewordner Menschlichkeiten!
Denn das ist des Festes Weihe, da ß die Menschheit von der Last
Einmal sich der Noth befreie und des Werktags dumpfer hast,
Daß in ihrer Kämpfe Reihe trete holde Sabbatrast,
Wo die Schönheit auch gedeihe in der Freude Goldpalast.
Was sie nie wird ganz erreichen, stellt sie dar als sei’ s errungen,
Was in ew’ger Flucht wird weichen, wird gebannt und festgezwungen,
Freudig um die kampfesbleichen Schläfer wird der Kranz geschlungen,
Wir  errichten Siegeszeichen – schöner Trug, du bist gelungen.

Dahn Felix  1834 – 1912

Berlin
Verlag von F. A. Herbich
1857

 Gnomisches

 1.

 Ich kenne einen wunderbaren Baum,
Der doppellebig ist; er heißt die Reue:
Die dunkle Wurzel fußt in Höllenraum
Und heißt die Schuld: jedoch in Himmelsbläue,
Die Sterne küssend, hebt mit edlem Schwung
Der Wipfel sich: - er heißt die besserung.

 2.

  Du schmähst die Welt ein Chaos wild,
Ein Räthsel unerhellt -
Denk’ an ein edles Menschenbild
Und du begreifst die Welt.

 

 

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Autor:  /  Dahn Felix 1834 – 1912
Bildnachweis: / Bonito Giuseppe 1707 - 1789 Genresszene mit Masken 18 Jahrhundert


 


 

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