ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

__________

 

 

 

 

 

Falke Gustav  1853 - 1916

 Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band


Tanz und Andacht

 „ Ob wir tanzen oder beten,
immer fromm sind wir Poeten.“

 Phantasie

 Wer fängt mich? Rief die Phantasie
Und schwang sich durch die Regionen,
vorbei an Sternen, die noch nie
ein Fuß betrat. Hier möchte ich wohnen,
sprach sie und ließ für kurze Zeit
sich sachte auf die Füße nieder.
Ein Leben blühte auf in Glanz und Üppigkeit.
Dann schied sie wieder.

 Und so von Stern zu Stern
bis hin vor Gottes Stufen,
sie lehnt sich an die Knie dem Herrn:
Vater, hast du gerufen?
Ihr hold verwirrtes Angesicht
sieht fragend zu ihm auf und lauscht,
wie lächelnd er herniederspricht:
dir träumte wohl, verwöhntes Kind.
Sie schweigt und freut sich, wie im Wind
des Götterworts der lange Bart
ihm leise um die Hüften rauscht. 

 

Falke Gustav   1853 - 1916

 

Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band


Tanz und Andacht

 „ Ob wir tanzen oder beten,
immer fromm sind wir Poeten.“

 Einsames Lied

  Aus der heitern Kerzenhelle,
wo die Freude tanzt und lacht,
treibt mich’ s über dunkle Schwelle
unerklärlich in die Nacht.

 Wipfelhohe Gartenhallen,
wo verträumte Blumen stehn,
windverwehtes Tropfenfallen,
Brunnen rieseln ungesehn.

 Windverwehte letzte Geigen,
und ich höre nun nichts mehr.
Einsamkeit auf schwarzen Steigen
wandelt weichen Fußes her:

 Kommst du, dir das Glück zu holen,
eine stille Stunde lang? -
Heimlich huscht auf leichten Sohlen
Ein verirrter Flötenklang.

 

Falke Gustav   1853 - 1916

 

Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band


Tanz und Andacht

Der Flötenspieler

 Einen Flötenspieler schenkte mir der Traum,
wirres Blondgelock umrahmte blasse Wangen,
und es war ein düstrer Eibenbaum,
drunter seine hellen Töne klangen.

 Immer sah ich nur das unbewegte Licht,
das mit dunklem Glanz in diese Augen brannte,
als ob diese junge Seele nicht
Ihrer Lieder heitern Frieden kannte.

 Wunderlich berührte mich das Flötenspiel,
das so leicht und lieblich Ton an Töne reihte,
von den Lippen wie ein Lächeln fiel
und die ernsten Augen Lügen zeihte.


 

Falke Gustav  1853 - 1916

 Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band


Tanz und Andacht

 Wahnsinn 

 Du bist es wieder, schwarzer Schmetterling.
Von jenem fernen Stern, der leise klingend
in fürchterlicher Einsamkeit die Bahn
um eine mondenblasse Sonne zieht,
hob sich dein Flug von dunklen Taumelkelch
der Traumviole, deren süßer Duft
in stillen Nächten meine Seele trank,
bis sie vergaß, daß alle Erdenqualen
mit ihren spitzen Dornen sie gespickt,
dass sie dem Igel gleicht, der schreckhaft sich
zu einem Stachelball zusammenrollt.

Ach, meine bange Seele, schreck sie nicht.
Du bist ja nicht der schöne Schmetterling,
der samtne Friedensbote, der den Staub
nachtschattiger Blume auf mich niederstäubt,
daß ich verschlafe. Weh! Wer bist du! Kalt
und schwer drängst du die Lüfte vor dir her,
und löscht die Lichter, und die Seele friert
in namenloser Furcht und kann nicht fort.
Ringst nahst du lautlos dich und ängstest sie
mit deinen schwarzen Flügeln, mitleidlos.

Falke Gustav  1853 - 1916

 Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band


Tanz und Andacht

Nacht, in der träumenden Stille

  Nachts in der träumenden Stille
Kommen Gedanken gegangen,
nachts in der träumenden Stille
atmet, zittert ein Bangen,
nachts in der träumenden Stille,
ratlose, quälende Fragen.  

Weit über alles Sagen
Kommen Gedanken gegangen,
atmet, zittert ein bangen
nachts in der träumenden Stille.
 

Falke Gustav   1853 - 1916

Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band


Tanz und Andacht

 Heiterer Tag

 Auf dem Balkon in schattiger Ecke,
vor mir besonnte Straßenstrecke,
trinkt ich  den Feiertagsmorgenglanz.
Der Nachbar spielt einen kecken Tanz.
Harmonika nicht zum Besten klingt,
doch ist es Musik. Der Bube springt,
das Mädchen dreht sich, das Hündchen bellt,
und jedes freut sich der schönen Welt,
bis wieder ein neidischer Regenguß
alles  erkränkt in grauen Verdruß.

Falke Gustav   1853 - 1916

 

Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band

 


Tanz und Andacht
 

Trost 

Still, Still -
’s ist nur ein Traum.
’s geht alles vorbei,
was es auch sei.

 So  -  so  --

Spürest es kaum.
’s ist nur ein Hauch,
wie du auch.

Falke Gustav   1853 - 1916

 

Gedichte von Gustav Falke
1912
Hamburg und Berlin
Alfred Jansen
 Gesammelte Dichtungen von G. Falke
II Band


Tanz und Andacht

Daß der Tod uns heiter finde

  

Laßt uns Blumen pflücken gehen,
letzte Astern, später Rosen.
Morgen werden Stürme tosen
und den bunten Schmuck verwehn.

 Auch den Becher holt hervor,
fröhlich lasst uns sein und trinken.
Morgen werden Schatten sinken,
und es schweigt der laute Chor.

 Wißt ihr wo ein holdes Kind,
teilt mit ihm die letzten Blüten!
Die noch heut in Liebe glühten,
morgen sind die Augen blind.

  Scherzt und küsst und trinkt und lacht,
eh wir uns zum Abschied rüsten.
Drüben winkt von fremden Küsten
eine sternenlose Nacht.

 Hoch. Schon meldet sich ihr Wehn.
Daß der Tod uns heiter finde!
Singend unterm Kranzgewinde
lasst uns ihm entgegengehn.

 

 Falke Gustav   1853 - 1916

Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke

1912

Dritter Band
Hamburg und Berlin Alfred Jansson

    Der tapfere Schneider

„ Ich wollt, ich wär ein Held und ritt
als Oberst in den Krieg,
und tausend Helden reiten mit,
das gibt den schönsten Sieg.

 „ Ich wollt, ich wär ein Kapitän,
und mein das weite Meer,
da flieg ich vor des Sturmes Wehn,
und fürcht mich nicht, daher.

 „ Ich wollt, ich wär ein Jägersmann,
in Feld und Wald zu Haus,
den stärksten Löwen fall ich an
und mach ihm den Garaus.

 „ Ich wollt, ich wär, ich wollt, ich wär, -
das Größte ist mir recht!“
Und tapfer zückt die Schneiderscher
der Meister zum Gefecht.

 Und ritsch und ratsch ins feinste Tuch,
stürmt er Verhaut, Verhackt!
Viktoria! -  O Schneiderfluch:
Verschnitten ist der Frack.

Gustav Falke  1853 - 1916

Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke

1912

Dritter Band
Hamburg und Berlin Alfred Jansson

  

Die Wahrsagerin

 Abgesessen, ausgespannt,
schmutziger Karren, magere Pferde,
bunte Sippschaft, sonnverbrannt,
freies Volk der freien Erde.
Bei der Brücke vor dem Dorf,
grabenlängs bei Dorn und Nessel
lagern sie, und überm Torf
brodelt schon der alte Kessel.

 Die Zigeuner! Alles rennt,
groß und klein, das Pack zu sehen.
Wenn man auch die Schelme kennt,
kann man doch nicht widerstehen.
Und kaum ist das Dorf zur Stell,
wird auch schon die Schar lebendig,
halb Geschnatter, halb Gebell,
schmierige Weiber, bettelhändig.

 Eine, vor den andern laut,
trägt ein Kind auf ihren Armen,
das aus lauter Lumpen schaut,
blaß und mager zum Erbarmen.
Und der reichen Bauerfrau,
die im Hause sich vergessen,
zeigt das Kind sie: „ Mutter schau
nix zu wärmen, nix zu essen!“

 Kurz weist sie die Bäuerin ab,
hart in jungen Mutterschmerzen,
denn ihr Kleines liegt im Grab
und die andre kann eins herzen.
Doch das braune Hungerweib
 - Futter, Futter in die Raufen! -
Rückt ihr näher auf den Leib.
hei, wie kann die Zunge laufen!

 
„ Sag ich wahr! Aus der Hand! Viel Guts!“
Fingert sie mit Frechgebärden,
und die andre, üblen Muts,
duldet’ s , um sie los zu werden.
Und  nun  stehen  Hand in Hand.
Blick in Blick die beiden Frauen.
In der Zukunft dunkles Land
sieht man nur mit  leisem Grauen.

Doch jetzt flackt ein Schelmenlicht
Aus den schwarzen Inderaugen,
und die schnelle Zunge spricht:
„ Ei, das mag der Frau schon taugen!
Kleines Kindchen übers Jahr,
rote Bäckchen, blonde Löckchen,
blaue Äuglein, hell und klar,
und ein warmes Wollenröckchen.“

  Und sie zeigt den eigenen Wurm,
seine Lumpen von ihm deckend,
ungewollt den Herzenssturm
in der andern Brust erweckend:
Blonde Löckchen, Augen blau,
weiß und rot die die runden Wangen -
weinend trägt die Bauerfrau
nach dem toten Kind Verlangen.

  Und durch Tränen sieht sie jetzt
sich den Bettelbalg verschönen,
fühlt ihr Mutterherz zuletzt
mit dem Weib sich auch versöhnen.
In die Tasche langt sie, schenkt,
reicher hat sie nie gegeben.
Jene, die den Blick gesenkt,
kann ihn nur beschämt erheben.

 Wortlos dankt sie, kehrt zurück,
bei den Männern hinzulegen,
und ihr lebend Mutterglück
zärtlicher im Arm zu wiegen.
Doch der eine, dem das Tier
kräftiger auf der Stirn geschrieben,
fragt mit stummer Augengier:
Hat das Feld heut Frucht getrieben?

 Ob sie’ s hingibt, ob versteckt?
Wie das blanke Geldstück flimmert!
Wenn er ihren Schatz entdeckt,
hat sie nur ihr Los verschlimmert.
Da! So ruft sie rauh  und hart.
Doch bevor er’ s aufgefangen,
 lacht sie schon nach Schelmenart:
„ Gaus ist  doch auf Leim gegangen!“

 

 Falke Gustav  1853 - 1916

Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke

1912

Dritter Band
Hamburg und Berlin Alfred Jansson

   

Bettlerserenade

Ich bin der arme Reimeschmied,
hab keinen roten Heller,
und singe ich mein Tafellied,
sing ich’s vor leerem Teller.

 Deutschland ist mein Vaterland,
wo viele Sänger singen
und nehmen täglich überhand,
daß sie ums Brot sich bringen.

 Ich bin der arme Versefritz,
daß ich die Herzen rühre,
und weist man mir den Gnadensitz,
ist’ s draußen vor der Türe.

  Nur wenn sie sich ein Kind gemacht
und wollen’ s Jesu bringen,
wird auch wohl meiner mal gedacht:
Komm her, du sollst was singen.

  Und wenn der alte Großpapa
sich hingelegt zum Sterben,
bestellen Trauercarmina
die tiefbetrübten Erben. 

Doch wenn der Hans die Grete nimmt,
betört von ihren Reizen,
zu eitel Hochzeitsfreuden schwimmt,
da blüht so hoch mein Weizen.

 Ach ja, so hoch. Ein Fröschlein kann
bequem darüber hüpfen.
Wer wird auch für den Liedermann
so weit den Beutel lüpfen.

 Ich bin der arme Reimeschmied
und klopft an alle Türen:
Ein Hochzeitslied, ein Trauerlied,
für mäßige Gebühren.

 Kauft, deutsche Damen, deutsche Herrn,
nur Stück für Stück ‚ nen Heller.
Ich geb das schönste Lied auch gern
für einen warmen Teller.

 

 Falke Gustav 1853 - 1916

Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke

1912

Vierter  Band
Hamburg und Berlin Alfred Jansson

 Die zierliche Geige

 
Ein klapperdürrer Fiedelmann
stand unter einem Baume
und setzte seine Geige an
und geigte wie im Träume
und sang ein leises Zwitscherlied,
das rührte an die Aste,
und als der letzte Ton verschied,
da starb ein Spatz im Neste.

  Der klapperdürre Fiedelmann
stand unter trocknem Kranze
und setzte seine Geige an
und geigte flott zum Tanze
und geigte flott zum Erntebier,
wo Rock und Schürze fliegen,
ein letzter Triller, zart und zier,
da muß die Großmagd liegen.

 Und wieder stand der Fiedermann
stocksteif vorm Pastorate
und setzte seine Geige an
zur geistlichen Sonate.
Ein rührend Religioso sang
von allen Himmelsschauern,
ein schluchzender Morendogang -
wer predigt nun den Bauern?

 Da stand der fleißige Fiedelmann
wohl auf der Herrendiele
und setzte seine Geige an
zu raschem, scharfem Spiele.
Das klang halb wie ein Trinklied froh,
halb wie ein Sturm auf Schanzen,
ein kurzes, keckes Tremolo,
da muß der Schlossherr tanzen.

 Und neulich stand der Fiedelmann
auch vor des Schulzen Kammer
und setzte seine Geige an
und sang wie eine Ammer
und sang und sang den ganzen Tag
und sang vor tauben Ohren,
an dem, der da im Fieber lag,
schien jede Kunst verloren.

  Da trat er dich ans Bettgestell,
hub wütend an zu kratzen,
doch statt des Kranken Trommelfell
Mußt ihm die Quinte platzen
Erbost schlug er sein Saitenspiel
aufs Haupt dem zähen Recken,
die Geige in zwei Stücke fiel,
der Schulze starb vor Schrecken.

 Der klapperdürre Fiedelmann,
da hockt er nun am Rande
und leimt sein zeug, so gut er kann,
flickt Saiten, Steg und Bande
und brummt, das hat man nun davon,
dem spielt ich zu manierlich,
jetzt lern ich Baß und Bombardon,
die Geige ist zu zierlich.



 

Falke Gustav  1853 - 1916

Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke

1912

Erster   Band
Hamburg und Berlin Alfred Jansson

 

Der Träumer

 

 Ich, du und die mich schelten,
sind Blühten an einem Baum,
Gott und die rollenden Welten,
wir alle sind ein Traum.

 Ihr scheltet meine Träume,
wenn auch mit mildem Wort,
daß ich das Hier versäume
um ein erdichtetes Dort.

 Wohl bleib ich fern den Toren,
was auch ihr Tun beginnt,
die da nach Quellen bohren,
wo keine Quelle rinnt.

 Ich suche mir das Wasser,
dessen meine Seele bedarf,
den Quell, in den kein Haffer,
kein Neidling Steine warf.

 Und meine Eimer steigen
hinab, herauf in Ruh,
die Tiefe wird mein Eigen,
Leben fließt Leben zu.

 Und wenn es steigt und flutet
und fühlt die Seele ganz;
und auf der Fülle glutet
von oben her ein Glanz –

 Da hebt von selbst zu tönen
Die volle Tiefe an,
das laß ich  mir nicht höhnen,
meine Seligkeit hängt daran.

 Wollt ihr um andres schmälen,
da lächle ich nur still,
mag jeder sein Rößlein wählen
und reiten wie er will. 

 Sitz er nur fest im Bügel
Und wisse, wohin es geht:
Nach einem kleinen Hügel,
darüber Vergessen weht.

 Genug, wenn eine Platte
mit einem Sprüchlein d’ rin
das Grab mir deckt: Er hatte
ein Herz und gab es hin.

 

 Falke Gustav  1853 - 1916

Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke

1912

Vierter  Band
Hamburg und Berlin Alfred Jansson

 

 Sterne

 Durch den schweren Fenstervorhangs Spalte
stielt ein flüchtiger Blick sich in das Dunkel,
in der Wintermitternacht, die kalte.
Durch dieselbe schmale Fensterspalte
stiehlt sich eines einzigen Sterns Gefunkel
in die warmerhellte Dichterklause.
Sei willkommen, lieber Gast von oben.
Hier sind Sterne immer wie zu Hause,
immer werden Hände hier erhoben,
stehende, zu euch, ihr ewigen Lichter,
Führer, Freunde, Warner uns und Richter.

 

 Falke Gustav  1853 - 1916

Gesammelte Dichtungen von Gustav Falke

1912

Erster   Band
Hamburg und Berlin Alfred Jansson

  Leben

 Ihr wollt mein Singen schelten
dem Leben fremd. O sagt,
was soll für Leben gelten,
wenn meins euch nicht behagt.

 Wenn ich von Liebe singe,
die alle Herzen stimmt,
euch meinen Becher bringe,
drin eine Rose schwimmt.

 wenn ich mein Weib umfange
und preise solchen Bund,
nach meinen Kindern lange
und küsse sie auf den Mund,

 und streu auf meine stillen
Grabhügel Blumen hin,
und nehme des Lebens Willen
In Seele auf und Sinn,

 und kehre Heim, zu loben
den Tag und seinen Schein,
und pflücke die Sterne oben
in meinen Kranz hinein,

 und trage meine Sorgen
in einen bangen Traum
und schüttle sie am Morgen
von mir wie einen Flaum,

 und gehe auf die Gasse,
ins Marktgewühl hinaus
und bringe, soviel ich fasse,
verdientes Brot nach Haus,

 und reiche, von Scham geschlagen,
dem Bettler durch die Tür,
ohne ihn auszufragen,
von meinem Brot herfür,

 und schelte ehrlich das Schlechte,
ohne Tadelsucht,
und preise das Starke und Rechte
und nehme mich selbst in Zucht:

 Ist das nicht alles Leben,
wohl eines Mannes wert,
der still im Nehmen und Geben
den, der ihm gab, verehrt?

 Durch alle meine Lieder
geht wie ein rotes Tuch
mein Leben auf und nieder
und ist voll Lebensmut.

 Ist ein warmes Leben,
so gut wie eures auch,
nur brennt’ s im Stillen eben,
ein feuer ohne viel Rauch. 

 Wenn alle Welt zusammen
den Lärmern Beifall schreit,
leg ich in meine Flammen
still ein neues Scheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Autor:  / Falke Gustav  1853 - 1916
Bildnachweis: /  Pierrot  Glaskunst nach Tyffany H. J. Sochiera 1995 /Wohnungstür/


 


 

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