ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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 Gött   Emil  1864 - 1908


Gesammelte Werke
Erster Band
Herausgegeben von Roman Woerner
Fünfte Auflage
C. H. Beck’ sche Verlagsbuchhandlung
München

 

 

Verschiedenes Los

 

Andres Wagen, andres Gelten,
Andrer Ton von andrem Erz,
Andre Menschen, andre Welten,
Andrer Schmerz in andrem Herz:
Wenige stürzen ohne Wahl
In die kurze, selige Qual
Rasch hintötender Flammen;
Doch Milliarden trauriger Narren
Kauern zusammen,
Um lange frierend, langsam zu erstarren.
Geh nur dem Leben todeskühn entgegen,
Den Schild hinweg und Panzer, nackt die Brust -
So wird es wallend dir darum sich legen,
Ist’ s doch ein Weib, und will ….. vergehn vor Lust!

 

   

Hart an den Feind und stets die Stirn vorn!
Der Tod am Ende sei die heißer Sporn.
Er lehre dich, statt würdelos verderben,
Im Angriff oder in der Schanze sterben.
Der Feigling schleicht, bis ihn die Zeit zerreibt –
Du willst ein Held sein, nun so reite vor,
Den Hammer in der Faust und hinterm Ohr
Die Taubenfeder, die den Frieden schreibt.

 

   

 

Aus des Nichtseins Blindheit zogen die zwei Blinde.
Aber nun – nun selbst in Wehen grausam dich gebären,
Winden dich in Wehen grausam aus dem Nochnichtsein,
Dem unerstickbar Recht – und  Weiterwerdenwollen
In ein  zweites Neues, in dein eignes Leben –
Wo du Vater bist und Mutter dir und Kind,
In Jungfräulichkeit den Gotteskeim hochtragend,
Der geheimnisvoll den dunklen Kloß befruchtet - :
Das will viel! Gehorsam viel – Willen und – Gnade.

 

   

Hier sitz ich
Und forme -
Mich!
Den Toren ein Spott,
Ein Fressen für Gott!

 

   

 

Kurz besonnen,
Frisch begonnen,
In dauernder Liebe
Fortgesponnen.

 

   

 

Man gibt nur, was man hat, und tut nur, was man kann;
Nur was an mir nicht Weib ist, ist Mann!

 

   

 

Ein Ich, geschaffen eine Welt zu fressen,
Von Liebe zu der Welt umgrenzt - -
So schlürft es zärtlich, was ihm zugemessen.

 

   

 

O höhnt mich nicht mit einem Spiegelspiel!
Ich bin mir selbst in mancher Nacht genaht,
Und hoff, ein schweres Wollen wiegt so viel,
Wie eine leichte, ungewollte Tat.

 

   

 

Ich war ein Mensch und fragte viel
Nach Höhe und Tiefe, Maß und Plan,
Nach Anfang und Ende, Zweck und Ziel.
Es war meine Schuld – es war mein Wahn  –
Es war meine Arbeit – sie ist getan!

 

   

 

Wie manches Schwere hab ich vorempfunden -
Wenn’s endlich kam, so war es schon verschwunden.

 

 

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Autor:  / Emil Gött   1864 - 1908
Bildnachweis: / Stenner Hermann 1891 - 1914 /  Skizze zum Selbstbildnis 1912


 


 

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