ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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Greif Martin ( Fr. Hermann Frey) 1839 - 1911
 

Gesammelte Werke

Erstes Band
Gedichte

Sechste recht vermehrte Auflage
Leipzig
C. F. Amelangs Verlag 1895

  

Bild des Herzens


Blutbuche ernst im frohen Thal,
Du mahnst mich an mein Herz zumal,
Du bist nicht grün und bist nicht rot,
Du scheinst nicht lebend und nicht tot.

Noch eh’ die Frühlingszeit vorbei,
Stehst du wie welk im vollen Mai -
Blutbuche, ernst im frohen Thal,
Du mahnst mich an mein Herz zumal.

 

Greifs Martin ( Fr. Hermann Frey) 1839 - 1911
 

Gesammelte Werke

Erstes Band
Gedichte

Sechste recht vermehrte Auflage
Leipzig
C. F. Amelangs Verlag 1895

 Fremd in der Fremde.


Nirgends kann ich lange bleiben,
Ruhelos ist mir der Sinn,
Wolken, Wind und Wellen treiben
Ohne viel Erinn’rung hin.

 Wenn im herbst die letzten Schwalben
Fliehen, wird das Herz mir schwer,
Stimmen rufen allenthalben,
Allenthalben um mich her.

 Ordnen sich die Wanderzüge,
Folgt mein Auge sehnsuchtsvoll,
Wenn ich mich an Menschen schmiege,
Fühl’ ich, daß ich weiter soll –

  Wieder weiter von der Stätte,
Die ich wandermüd’ ersehnt,
An der Liebe goldne Kette
Hat sich nie mein Herz gewöhnt.

  Was mich fesselnd möchte’ umschlingen,
Bebt mit mir in gleicher Pein,
Mag ich bangen, mag ich ringen,
Immer muß geschieden sein.



 

Greifs Martin ( Fr. Hermann Frey) 1839 - 1911
 

Gesammelte Werke

Erstes Band
Gedichte

Sechste recht vermehrte Auflage
Leipzig
C. F. Amelangs Verlag 1895

 Fremd in der Heimat

 

In der Heimat war ich wieder,
Alles hab’ ich mir beseh’n,
Als ein Fremder auf und nieder
Mußt’ ich in den Straßen geh’n.

Nur im Friedhof fern alleine
Hab’ ich manchen Freund erkannt,
Und bei einem Leichensteine
Fühlt’ ich eine leise Hand.

 

Greifs Martin ( Fr. Hermann Frey) 1839 - 1911
 

Gesammelte Werke

Erstes Band
Gedichte

Sechste recht vermehrte Auflage
Leipzig
C. F. Amelangs Verlag 1895

 Glück

 
Glück ist wie ein Sonnenblick,
Niemand kann’ s erjagen,
Niemand von sich sagen,
Daß erheut’ und eine Frist
Ohne Wunsch und glücklich ist.

 Glück ist wie ein Sonnenblick,
Erst wann es vergangen,
Erst in Leid und Bangen
Denkt ein Herz und fühlt es klar,
Daß es einmal glücklich war.




 

 

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Autor:  / 
Greifs Martin ( Fr. Hermann Frey) 1839 - 1911
Bildnachweis: / Couture Thomas Nach dem Maskenball  1855


 


 

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