ARLECCINO

 

 

Gebet an Pierrot

An Otto von Grote

Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß – Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nur vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gib mir wieder,
Rossarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot – mein Lachen.
 

 

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 Hess David  1770 - 1843

 

Kleine Gemälde
Reminiszenzen
Abgebrochen Gedanken
von einem Dielenttanten

Zurüch 1808



Hindernisse des Schicksals im menschlichen Leben sollen die gleiche Wirkung hervorbringen, wie die Felsen, welche in einem Strome liegen; die Wellen schlagen und stürmen daran; sie setzen mühsam schäumend darüber weg; aber durch die Hinderung mit neuer Schnellkraft gestärkt, rollen sie feuriger ihrem Ziele zu.

   O, ich bitt’ euch, zieht nicht so sehr über die Menschen los, werft sie nicht so unbeschaut in die Hölle! Erforscht den Grundtrieb ihrer Handlungen.
Der Edelste kann in Verhältnisse kommen, wo er mit der Kothseele um Kleinigkeiten streitet.


Ruhe, vor dem Alter, scheint nur im allzustürmischen Gewühl der Welt wünschenswerth.
Der Jüngling sehnt sich oft n ach ihr; sie wird ihm bald lästig, und sein Wesen erfordert Bewegung.

Zutrauen fordert man immer mit Unrecht.
Es lässt sich durch kein gekünsteltes oder Naturverhältnis fordern. Es kann nicht anders als gewonnen werden, durch milde Liebe und innige Theilnahme.

Die besten Menschen werden im Weltumgang die beissendsten, wenn Verläumdung und Bosheit Gift in ihre Seele geträufelt haben.
 Auch ist es gut, scharfe Zähne und einen Stachel zu führen gegen bösdumme Leute, die nur mit Witzesgewalt oder dem Prügel können abgewehrt werden. Wehe dem Unbewaffneten, der sich in ein Hummelnest wagt!

Ist’ s doch besser, mit süßen Liedern und Musenkünsten sich ergötzen, als mit Prozenten und ewiger Gewinnsucht;
wenn auch nicht so einträglich für den Beutel, doch immer profitabler für den Kopf und Herz.

Freude, nach Erforderniß jeder individuellen Natur, ist das wahre Oel in die Lebenslampe.
Wo das gebricht, erstirbt traurig das Flämmchen und vermag für niemand freundlich zu leuchten.

 

 

Von Menschen und Früchten

 

Was sich vor der Zeit seiner reife von Stamm oder Zweig sondert und fällt, trögt im innersten Kern seines Lebens einen heimlich zerstörten Wurm.

Der gemeine Mensch hat des Lebens Unterhalt zum Zweck. Der feinere Mensch geht einen großen Schritt weiter; sein nächster Zweck ist: das Leben zu verschönern.

Die Liebe des Freundes ist ein Adler, der die Seele des gefühlvollen Mannes aufwärts hebt, dass sein Genie sich im Feuerquell der Sonne bade und stärke.
 Die Liebe des Weibes wiegt ihn sanft, wie auf einer Schaukel im Schattigen Baume, erdwärts, wo, am Bächlein, im hohen blumigen Gras, die lockigen Kindlein spielen.

Erwarte immer etwas weniger vor den Menschen, als du berechtiget wärest, von ihnen zu fordern; sonst wirst du nicht an Menschenachtung zunehmen.

  Umfasse, die dich umgehen, mit Liebe, so viel du vermagst. Wenn du das nicht thust, so gereut es dich einst, in der Stunde ihres Todes.

Duldest du nur den, der dich liebt, und liebst nur den, der dich duldet, so wirst du bald vor dem Angesicht des Himmels dastehn – ein vollendete Timon!

Straucheln und fallen muß jeder, der auf sterblichen Füßen einherwandelt. Glücklich der, so mit Katzentalent auf die Füße nur fällt!

 

PUNKTUM

 

 

 

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Autor:  / 
Hess David  1770 - 1843
Bildnachweis: / Césanne Paul 1839 - 1906 Harlekin 1890


 


 

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